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Rap-Beefs endeten für den YouTuber Mois mit Entführungen und Depressionen

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Dass Streitigkeiten im Rap immer wieder die Grenze eines sportlichen und musikalischen Schlagabtauschs überschreiten, ist bekannt. Manchmal bedeuten Rap-Beefs für die Beteiligten sogar schlimme Konsequenzen. In einem emotionalen Statement sprach der YouTuber Mois nun über Entführungen, Erpressungen und Depressionen.

Mois führte Deutschrap-Kriege

Mois, der mit bürgerlichem Namen Zelemkhan Arsanov heißt, beschäftigt sich auf seiner Plattform vorrangig mit Themen aus dem Deutschrap-Kosmos. Da er auch dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und seine Antipathien gegenüber Rappern zu zeigen, geriet er in letzter Zeit immer wieder mit Leuten in Konflikt. Darunter auch Rapper Bushido, der wiederum in einem kürzlich veröffentlichten Statement zu seinem kommenden Album SONNY BLACK 2 ankündigte, sich bei Mois für dessen „Schweinereien“ musikalisch rächen zu wollen. Auch der Rapper Animus, das neue Signing von Bushido, stichelte immer wieder gegen den YouTuber. Gleichzeitig führte Mois eine Fehde gegen den Rapper Asche, der aus dem Dunstkreis von Kollegah stammt. Kurz gesagt: Mois führte Deutschrap-Kriege an mehreren Fronten.

Wenn „Brüder“ Feinde werden

Inwiefern diese Auseinandersetzungen mit den dramatischen Schilderungen, die Mois in seinem aktuellen Video ausführt, konkret zusammenhängen, wird nicht ganz deutlich. Er berichtet davon, wie er vor vier Wochen von einem Vertrauten nachts aus seinem Musikstudio gelockt wurde, in einen Wagen stieg und anschließend fast entführt wurde. Seine Ausführungen wirken dabei wie aus einem schlechten Gangster-Film entsprungen:

„Ihr müsst euch vorstellen, der eine den ich für einen Bruder gehalten habe, hat dann von einer Sekunde auf die andere seine Maske genommen, ausgezogen und gesagt ‚Guck mal, das ist mein wahres Gesicht, das alles war ein Spiel, wir wollen von dir so und soviel Geld, wenn du es nicht gibst entführen wir dich‘. Und wir sind schon am fahren, wir sind irgendwo im Wald.“

Dass dieses Ereignis irgendwie mit dem Deutschrap-Kosmos zu tun hat, lässt Mois immer wieder durchblicken.

„Das ist die dunkle Seite von diesem H*ndesohn-Business, wenn man kein Schutzgeld abdrückt (…) Man wehrt sich, man wird geschlagen, man wehrt sich zurück. Wenn du keine Waffe hast, nutzt es nicht viel, versteht ihr? (…) Was hab ich getan, Allah hat mir geholfen, irgendwie bin ich nach Hause gekommen.“

Hat Deutschrap ein „Rücken“-Problem?

Dass hinter berühmten Straßen- und Gangster-Rappern oft Leute stehen, die mögliche Rivalen und unliebsame Personen einschüchtern, erpressen und im schlimmsten Falle sogar physisch bedrohen können, zeichnet sich spätestens seit der Offenlegung der Bushido-Arafat-Abou-Chaker-Affäre deutlich ab. Die Gründe hierfür können variieren. Das Phänomen des „Rückens“ im Deutschrap wird von Mois in seinem Statement angesprochen:

„Wir haben im Deutschrap ein Phänomen, das nennt sich Rücken, ok, so was hab ich noch nie gesehen. Ich habe noch nie so was gesehen, dass ein Hip-Hopper einfach einen Rücken haben muss.(…) 100 Leute von den Rappern sind da, die seinen Rücken machen, der Rapper selber ist nicht da, und ich bin alleine da (…) und so war es jedes mal (…) Und jetzt stellt euch vor es ist jeden Tag Krieg und am Abend lachst du so in die Kamera. Ich weiß nicht, wie schwer es für mich war zu lachen. (…)“

Depressionen und Drogenkonsum

Der emotionale Stress, den er durch all diese Feindseligkeiten sowie familiäre Schwierigkeiten erleiden musste, setzte dem YouTuber offenbar schwer zu. Er berichtet außerdem von seiner schwerkranken Mutter, deren Umzug er finanzieren musste. Um zwischendurch ein wenig entspannen zu können und um seine Aggressionen in Griff zu bekommen, konsumierte er wohl Marihuana, obwohl er sich in seinen Videos stets gegen Drogen und für regelmäßigen Sport ausspricht.

„Diese ganzen Zeiten waren sehr schwer für mich, ich konnte einfach meinen Kopf nicht ausschalten. Ich hab in dieser Zeit sogar angefangen Gras zu rauchen. (…) Ich habe dann damit angefangen und konnte dann abschalten.“

Mois macht reinen Tisch

Diese ganzen Ereignisse und Schicksalsschläge motivierten Mois dazu, seine Einstellung zu Deutschrap zu hinterfragen. Gegen Ende seines Statements spricht er sich gegen eine „Politik“ der Unterdrückung im Deutschrap aus, die mit Empathie und Menschlichkeit nichts mehr zu tun hätte. Deswegen wolle er sich ab sofort aus allen Streitigkeiten fernhalten und nicht mehr auf Provokationen eingehen.

„(…) Ich hasse deutsche Rapper und ich hasse die Politik, die mit Deutschrap zutun hat, weil ich jetzt ein Familienmensch sein will (…) Ich möchte ab heute mit euch allen abschließen. Und wenn es etwas gab über mich zu leaken, dann hab ich heute alles geleakt.“

Hat die Beef-Kultur ihren Zenit erreicht?

Die Stellungnahme des YouTubers mag Deutschrap-Konsument*innen überraschen, da Leute in dem Sub-Genre des Gangsterrap nicht unbedingt dafür bekannt sind, Sensibilität und Schwäche zu zeigen. Doch selbst Bushido brach zuletzt vor Gericht in Tränen aus, als es um seine Familie und die Gefahr durch die kriminelle Abou-Chaker-Familie ging. Sogar Fler sprach sich in einem Statement, das an Bushido gerichtet war, für „inneren Frieden“ aus. Vielleicht wird es Zeit die großen Deutschrap-Beefs endlich ruhen zu lassen und sich auf Musik zu konzentrieren.


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