Redd Kross: Pop-Sanitäter aus dem Untergrund

An dieser Stelle eine Band, die bereits 15 Jahre existiert, als Neuentdeckung vorzustellen, erscheint ziemlich gewagt. Immerhin: Ihr neuestes Werk PHASESHIFTER wird von Weiland, Sänger der Stone Temple Pilots, als „bestes Album des Jahres“ bezeichnet und Sonic Youth’s Thurston Moore hält Redd Kross für „eine der wichtigsten Bands in Amerika. „Und dennoch kennt außer jenen Kult-Heroen bislang kaum einer diese Band. Sänger und Gitarrist Jeff McDonald erinnert sich an die 91er England-Tournee im Vorprogramm von Teenage Fanclub: „Da dachten alle, wir wären Holländer“. Dabei hatte Jeff schon 1978 in einem Vorort von Los Angeles im zarten Alter von 14 gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Steve die ersten Punk-Akkorde in der elterlichen Garage gebrettert. Das erste Demo finanzierte Bassist Steve noch mit Zeilungsaustragen, dann folgten relativ bald einige EP’s sowie eine LP, bis 1987 mit dem psychedelisch angehauchten NEUROTICA ihr erstes Major-Album herauskam. Laut „Sub Pop“-Chef Jonathan Poneman öffnete dieses Werk der Musikgemeinde Seattle Augen und Ohren. Doch Vertragsprobleme verhinderten, daß Redd Kross den von ihren Kollegen so geschätzten, gleichermaßen bizarren wie abgeklärten Humor weiter unter das Volk trager, konnten. Ihr schon damals sehr gelungener Crossover aus Underground, Pop und Thrash wurde von Nirvanas und Pearl Jams Erfolg ausgebremst. 1994 liegen sie mit ihren Visionen stilistisch immer noch ganz vorn, doch sieht es diesmal danach aus, als ob sie jetzt endlich die längst fällige Anerkennung über den Kollegenkreis hinaus finden.

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