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Report: Flow Festival 2012 – mit Björk, Feist, The Black Keys und Chromatics

Bereits bevor der erste Ton angespielt wurde, gab es am Freitag Neuigkeiten mit Nachrichtenwert: Headliner Frank Ocean war nicht im Flieger aus Oslo. Später sollte er das Konzert sowie seine gesamte Europa-Tour noch offiziell absagen. Für die Veranstalter war das nach dem Ausfall von Bobby Womack der zweite, aber auch letzte große Rückschlag dieses Jahres. Die Finnen nahmen mit der Robustheit eines 3110-Handys: „Fuck him then!“

Und man reagierte zurecht gelassen, schließlich waren unter den angereisten Acts immer noch zahlreiche Namen, die ein Festival mit etwa 20.000 Besuchern pro Tag zumindest in Mitteleuropa so wohl nicht finanzieren kann.

Der Freitag startete mit Yann Tiersen, Miike Snow, Lykke Li und Nina Kraviz, am Samstag musste man sich dann beispielsweise zwischen Nicolas Jaar, Saint Etienne und Kindness entscheiden. Es stellte sich beinahe schon Erleichterung ein, als man auf dem Samstags-Plan erkannte, dass sich wenigstens die Konzerte von The Black Keys und Chromatics nicht mit denen von weiteren international gefeierten Bands überschnitten. Sonntag bespielten French Films, Feist und Björk die Hauptbühne am Abend. Nebenan in den Zelten spielten derweil DāM-FunK, The War On Drugs, Friends und St. Vincent.

Den Höhepunkt dieser Ansammlung großartiger Konzerte stellte (neben der gewohnt außergewöhnlichen Performance von Björk) der Gig der Chromatics dar. Schnell bemerkten die Zuschauer: Hier standen vier Perfektionisten auf der Bühne. Der Lichttechniker bekam vor dem Konzert ein mächtiges Paket mit Anweisungen zugetragen und wurde zwischen den Songs von Sängerin Ruth Radelet noch einmal zur Einhaltung desselben ermahnt; und auch die Musik selbst klang spätestens nach dem dritten Song, als hätte man es hier mit einer fertig abgemischten Album-Produktion zu tun. Trotzdem schafften es die vier Synthie-Popper  durch Tempowechsel innerhalb der Songs und kreativem Umgang mit den vorproduzierten Effekten, die Songs nicht statisch wirken zu lassen. Das Publikum staunte und tanzte daraufhin nicht schlecht, sogar Kritiker der Band mussten feststellen, dass sie Chromatics-Songs bisher wohl einfach nur noch nicht laut genug gehört hatten.

Zwischen den Konzerten, zwischen den Bühnen, bemerkte man auch, dass es da noch eine weitere Besonderheit beim Flow Festival gibt. Niemand stolperte über leere Becher oder rutschte auf Papptellern aus – sogar Zigarettenstummel bekamen keine Gelegenheit, länger als ein paar Minuten auf dem Boden herumzuliegen, bevor die Reinigungskräfte sie aufsammelten.

Für all diejenigen, die sich eine erlesene Musik-Auswahl präsentieren lassen möchten und dabei die unhygienischen Rahmenbedingungen von Festivals vermeiden, führt derzeit (noch) kein Weg am Flow-Festival vorbei.


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