Julia Shapiro Perfect Version


Sub Pop/Cargo (14.6.)

Postmoderne Situationen sind ja selten wirklich anything goes. Sie gehen meistens eher so: Ausgebrannt heimkommen, Beziehung beenden, Existenzkrise. Kolossale Unsicherheit, bedrängende Einsamkeit. So erging es Julia Shapiro im letzten Jahr. Der Wunsch nach Selbstoptimierung qua Selbstliebe. Natürlichkeit, die hart erarbeitet werden muss. Vielleicht doch endlich Instagram löschen?

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Shapiro, bekannt als Sängerin und Gitarristin der feministischen All-Girl-Rockers Chastity Belt, arbeitet sich auf ihrem Solodebüt an den un­sexy Themen und Widersprüchen der Gegenwart ab. Wie so oft liegt auch beim Album der Songwriterin die Stärke im Kontrast: Für diese Erzählungen aus dem Spätkapitalismus wählt sie die schroffe Form des Undergrounds aus den Zeiten der hyperoptimistischen Neunziger: Verrauschte, shoegaze-ige Indie-Hymnen, in denen die Gitarre genug Räume für Rückzug lässt.

Julia Shapiro versteckt sich in diesen Songs, für die sie, mit Ausnahme von Trompete und Geige, alle Instrumente selbst gespielt hat, sie lässt ihre Selbstbeobachtungen anscheinend bewusst hinter jener Musik verschwinden, in jener Musik versinken, die erst dafür gesorgt hat, dass sie wieder die Kraft fand, sich ihnen zu widmen. PERFECT VERSION ist berührend, antiquiert und tagesaktuell zugleich.

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