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Lambchop Flotus


City Slang/Universal

Dass der Titel des neuen Lambchop-Albums, FLOTUS, auch für „First Lady Of The United States“ stehen könnte, wollen wir nur kurz erwähnen. Kurt Wagner bespielt mit seinen Songs von jeher keine politischen Themen, die Politik überlässt er in der Öffentlichkeit seiner Frau Mary Mancini, die inzwischen Vorsitzende der Demokraten in Tennessee ist. Der Doyen des Alt-Country hat jetzt eine Platte von überbordender Unaufgeregtheit aufgenommen, die dennoch oder ganz besonders etwas mit seiner Frau zu tun hat, mit der Musik, an der sie und die Menschen in der Nachbarschaft Gefallen finden. Mit dem endlos dahintuckernden 18-Minüter „The Hustle“ findet die Liebeserklärung einen leicht ins Sinfonische gehenden Höhepunkt, der im selben Moment für zwei sich scheinbar widersprechende ästhetische Dimensionen steht: Belanglosigkeit und Schönheit.

FLOTUS enthält lauter Songs, die nirgendwo hinwollen und erst einmal irritieren in ihrem sanften Dudeln, das von zärtelnden, verfremdeten Gesängen Wagners durchzogen wird. Über die intensiven Auto-Tune-Bearbeitungen, und das hat Wagner mit Absicht in den Vordergrund gestellt, geht das, was seine Stimme so unverwechselbar macht, bisweilen vollkommen verloren, der Effekt läuft sich eben seit Längerem tot. Wer das jetzt hört und an Kaufhaus-Muzak aus defekten Lautsprechern denkt, liegt so falsch nicht. Wagner protokolliert dieses Musik­erlebnis einerseits, zieht aber gleichzeitig eine Verbindungslinie zu den aktuellen HipHop- und R’n’B-Produktionen von Kanye West und Frank Ocean. „Relatives #2“ beginnt mit einem treibenden Dance-Beat, versinkt aber sofort wieder in einem verwaschenen Soundfluss, mit ein paar extralangsamen „Uhuhuhus“ des Sängers. Oder sollten wir sagen: Stimmgebers?

Die Stimme ist hier der Stoff, aus dem Musik gebaut wird, die überall spielen könnte, wo Musik so nebenher spielt. Das mag ein Statement zur Rolle von Pop in Zeiten der digitalen Transformation sein (Wagner sieht seine Aufnahmen als eine Art reflektierten Realismus), versendet sich aber bisweilen auch in Momenten elektronisch induzierter Schläfrigkeit. Wagner will in den Verwandlungen seiner Stimme den Soul wiederentdeckt haben, er hat uns damit ein Stück Ratlosigkeit geschenkt. Ist die Special-Dinner-Begleitkiste mit Wein vom Gut Oggau, die einer limitierten Auflage des Albums beiliegt, vielleicht der leckere Tropfen, der uns die privatistische Klangmalerei gaumenfein machen kann? Mary, so lässt Kurt Wagner ausrichten, war nicht beeindruckt vom elektronischen Fremdeln seiner Stimme, aber sie liebt ihn nach wie vor für das, was er ist. Unterschreiben wir sofort.

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