Suede Autofiction


BMG/Warner (VÖ: 16.9.)

von

Mit jedem ihrer Alben reagierten Suede stets auf das vorhergegangene: Was kann also nach dem experimentellen THE BLUE HOUR von 2018 mit seinen Field Recordings und Spoken-Word-Stücken nur kommen? Richtig, ihr „Punk-Album“, wie sie es bewerben. Tatsächlich verfügt AUTOFICTION mit dem „Pantomime Horse“-artigen „Drive Myself Home“ und „What Am I Without You“ nur über zwei Balladen. Der Rest ist freilich weit entfernt von den Rasierklingenschwingenden Idolen Sex Pistols, mit deren eingespieltem „Bodies“ Suede gerne Konzerte eröffnen.

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Doch Brett Anderson verfolgt auch nicht deren weltumstürzende Absichten, seine neuen Aggressionen entstammen den Erfahrungen eines 54-jährigen Manns. „Ich fühle mich nicht mehr jung, ich habe viel mehr Probleme“, sagt er. Mit dem Opener „She Still Leads Me On“ verarbeitet er den traumatischen Tod seiner Mutter, auf „Shadow Self“ und „Personality Disorder“ beschäftigt er sich mit in der zweiten Lebenshälfte lauernden Ängsten.

Inspirationen zu den Songs zog er aus den Arbeiten an seiner Biografie, die er nach THE BLUE HOUR in den zwei Teilen „Coal Black Mornings“ und „Afternoon With The Blinds Drawn“ veröffentlichte. Angesichts dieser Rückschau und der soeben beendeten, immer wieder verschobenen Tour zum 25. Jubiläum von COMING UP, ist es umso bemerkenswerter, wie getrieben diese Gruppe auch 30 Jahre nach ihrer ersten Single „The Drowners“ ist, es sich in ihrer glorreichen Vergangenheit nie zu gemütlich macht. AUTOFICTION ist ein Album mit einem guten Verständnis von Dynamik, das daher vor allem live funktionieren dürfte. Für die Dauerschleife im Heimgebrauch fehlen aber wohl die Hits.


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