Yazoo – You And Me Both

Der Titel scheint angesichts der Trennung von Yazoo schon sehr ironisch, aber für Sängerin Alf dürfte die Entscheidung, in Zukunft mit einer eigenen Band ihre Blues-Songs zu machen, die einzig richtige sein. Denn was dieses Yazoo-Album noch immer zu einem Juwel unter den Synthi-Pop-Platten macht, ist ihre großartige Stimme. Nicht, daß ich was gegen Vince Clarkes Synthi-Spiel hätte – er ist noch immer ein Sehender unter den Bünden – aber Alfs Gesang ist auf Dauer einfach zu machtvoll für den dünnen Synthi-Sound.

Der beste Song kommt gleich zu Beginn, die Single „Nobody’s Diary“, die wohl musikalische Lager von schräg links bis quer rechts verbinden dürfte Auch „Sweet Thing“ und „Good Times“ besitzen die Qualität von zeitlosen Soul-Perlen, die geradezu nach einer bläserstarken Combo brüllen. Allesamt stammen sie übrigens von Alf Vince hat sich eher auf die melancholischen Balladen konzentriert. Besonders schön ist da „Mr Blue“, auf dem Alf eine Gänsehaut mit ihren Stimmbändern produziert. Hier ist die sparsame Elektronik außerordentlich angenehm und erholsam. Dann das bereits erwähnte „Good Times“, das ich mir auch sehr gut aus dem Mund von Roger Chapman oder Eric Burdon vorstellen könnte. Die Annäherung der geschmähten alten Blues-Musik an den Synthi-Pop scheint hier ein gelungenes Beispiel zu liefern. Die anfangs erwähnten Gegensätze haben also durchaus ihren Reiz.

Mein Lieblingssong neben „Nobody’s Diary“ heißt „Ode To Boy“, auf der Alfs Wechselgesang wieder unter die Haut geht und intensive Unterstützung von Vince Clarke erhält. Seltsamerweise schafft dieses Stück ein Gefühl der Stille, in der man eine Stecknadel fallen hören könnte.

Klar ist, daß das Konzept Yazoo nicht mehr besonders ausbaufähig und variabel ist, was wohl beide erkannt haben. Interessant dürfte sein, was nach dieser Zellspaltung auf uns zukommt Vielleicht YA und ZOO?