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Schweden: 1.993 Frauen in der Musikindustrie unterschreiben offenen Brief über sexuelle Belästigung

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Fast 2.000 Frauen aus der schwedischen Musikindustrie unterschrieben ein offenen Brief, in dem sie erklärten, dass sie während ihrer Karriere sexuelle Übergriffe, Belästigung oder offenkundigen Sexismus erlebt haben. In diesem Brief fordern sie drastische Veränderungen. Auch Künstlerinnen wie Robyn, First Aid Kit und Zara Larsson unterschrieben das Dokument.

Der offene Brief wurde von insgesamt 1.993 Frauen unterzeichnet, die als Produzentinnen, Künstlerinnen, Songwriterinnen, DJs, Künstler-Managerinnen, Booking-Agentinnen oder Verlegerinnen arbeiten. In der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ berichteten die Frauen am vergangenen Freitag von ihren Erfahrungen.

Die Anschuldigungen reichen von sexueller Belästigung bis zu Vergewaltigungen und und versuchten Vergewaltigungen, sowohl von Musikern als auch von Führungskräften der Musikbranche. Im Brief heißt es: „Dies sind Auszüge aus Hunderten von Erfahrungen, die allesamt in der Musikindustrie stattfanden.“ Sie zeigten demnach, was jeden Tag passiere.

Weiter heißt es: „In der Musikindustrie arbeiten wir rund um die Uhr, oft mit unsicherer und befristeter Beschäftigung. Höflich zu sein, ist besonders wichtig. Das macht Frauen in der Musikindustrie zu Zielen für Machtdemonstrationen, die oft sexueller Natur sind.”

Die fast 2.000 Frauen warfen der Musikindustrie vor eine „Kultur des Schweigens“ entwickelt zu haben. „If we report these events [the result] is words speaking against words… we tie our fists into our pockets and rarely mention [these incidents]. Silence culture prevails. But we will no longer be silent… We demand zero tolerance against sexual exploitation and violence.”

Unter folgendem Link stehen alle Namen der 1.993 Frauen, die den Brief unterzeichnet haben.

Die großen Musiklabels reagierten schnell auf die zahlreichen Vorwürfe. In einer Erklärung sagte Mark Dennis, Geschäftsführer von Sony Music Entertainment in Schweden: „Vielen Dank an alle, die es gewagt haben, ihre erschütternden Erfahrungen mit Belästigung und Missbrauch zu teilen. Das ist eine extrem dunkle Seite der Musikindustrie, die jetzt, zum Glück, von allen zur Kenntnis genommen wurde. Wir versprechen, alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um die Ungleichgewichte, die diesem Problem zugrunde liegen, zu korrigieren, und gleichzeitig müssen wir leider zugeben, dass wir nicht annähernd schnell genug waren, um auf die offensichtlichen strukturellen Probleme einzugehen.“

Auch der Chef von Universal Music in Schweden, Per Sundin, postete vergangenen Montag, dass er Dennis Worte unterstreiche und unterstütze. Sundin fügte hinzu: „Wir haben eine Verantwortung und wir müssen jetzt handeln!“


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