Shirin David veröffentlicht „Babsi Bars“ und bringt Fans sowie Kritiker*innen zum Staunen

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ME-Redaktion
Kolumne

Shirin David stand in ihrer noch relativ jungen Rap-Karriere schon öfters wegen ihres provokanten und polarisierenden Auftretens in der Kritik. Mit „Babsi Bars“ lässt die 25-Jährige eigene feministische Ansätze durchblicken.

Am 3. Advent veröffentlichte Shirin David ein neues Video, das im Vergleich zu ihren vorangegangenen Produktionen heraussticht. Während es bei „Hoes up, G’s down“, dem Musikvideo, das aufgrund von Verstößen gegen die Corona-Auflagen von der Polizei gestoppt werden musste, noch Jet-Ski-Runden in Pools und massenweise wackelnde Hintern zu sehen gab, steht die Rapperin in ihrem neuen Video ganz alleine vor der Kamera. Anscheinend ganz Corona-konform schickt sie ihr Video zu „Babsi Bars“ vom heimischen Wohnzimmer aus in die Deutschrap-Landschaft und erntet speziell für den Text überwiegend positive Resonanz.

Feminismus ala Shirin David

Sie reagiert in ihren Zeilen offenbar auch auf die Kritik, sie würde vielen jungen Menschen ein falsches Frauenbild vorleben, anstatt feministische Perspektiven aufzuzeigen. Die Musikerin, die erst kürzlich in einem SPIEGEL-Interview verlauten ließ, dass Bikini-Bilder bei ihr Teil eines selbst gewählten und bewussten „Frauseins“ seien, versucht in ihrem Text, ihre eigene Auffassung von Feminismus darzulegen. So rappt sie beispielsweise:

„Die deklarier’n ein’n Minirock zu maximaler Schande, doch ’ne Frau mit Grips im Kopf wird abgetan zu ’ner Emanze.“

Sie beschreibt hier offenbar die Verurteilungen ihrer Person, die sie zum Einen durch eine streng feministische Kritik und zum Anderen durch die Macho-Kultur im HipHop erfährt. Eine gekonnte Demonstration der Borniertheit, die man beiden Feldern vorwerfen könnte. Weiter im Text heißt es: „Tanze einen Dirty Dance, Spießer kriegen German Angst“, wobei sie auf das Stereotyp deutscher Zurückhaltung, im Vergleich zu anderen Kulturen, anspielt.

Vergleich mit anderen starken Frauen

Shirin David ist eindeutig kein Fan von Alice Schwarzer, was sie bereits in ihrer ersten Zeile klar macht: „Feminin as fuck, meine nicht Alice Schwarzer“. Dafür gibt es aber andere Frauen, mit denen sich die Rapperin wohl identifizieren kann. So sei sie beispielsweise eine „Dangerous Woman“ so wie Ariana Grande, womit sie auf den gleichnamigen Song aus dem Jahr 2016 anspielt. Zu dem Vergleich dürfte auch die Aussage von Ariana Grande passen, dass eine „Dangerous Woman“ keine Angst habe „Stellung zu beziehen, sie selbst zu sein und ehrlich zu sein.“ Weiterhin kontrolliere Shirin David „das Game wie Alisha Lehmann beim Fußballspiel.“ Der Schweizer Fußballspielerin, die für West Ham United spielt und wie Shirin eine große Social-Media-Reichweite hat, gefiel der Vergleich wiederum so gut, dass sie das Video umgehend auf ihrem Instagram-Profil teilte und mit der Überschrift „Next Level“ versah. Prinzessin Diana und Barbra Streisand gehören dem Text nach zu urteilen auch zu Shirins Vorbildern.

Subtile Seitenhiebe gegen Fler?

Dass der Rapper Fler zu Beginn der Karriere von Shirin David ein großer Fan der Musikerin war, ist kein Geheimnis. Schließlich widmete er der Musikerin einen ganzen Song namens „Shirinbae“, was ebenfalls zu ihrer Popularität beitrug. Allerdings kam es danach nie zu einem gemeinsamen Song, was für viele Fans (und eventuell auch für Fler) Fragen aufwarf. In dem Song „Million Dollar A$$“ mit Katja Krasavice rappte Fler schließlich: „Ich hab‘ Shirin nicht gebangt, doch ich würde gern.“ Auch wenn diese Zeile eigentlich mehr über Fler auszusagen scheint, ließ es sich die Rapperin nicht nehmen, auf die Provokation schlagfertig zu reagieren: „Jeder deiner Freunde würde, wenn er könnte. DMs [private Nachrichten bei Instagram, Anm. d. Red.] posten ist unter meiner Würde, doch ich könnte.“ Der Interpretationsspielraum ist an dieser Stelle groß, doch geht der Punkt wohl an Shirin David.

Die Musikerin, die nebenbei bemerkt als Sängerin an der Hamburgischen Staatsoper mitwirkte, zeigt in „Babsi Bars“, dass sie neben ihrem polarisierenden Auftreten und ihrem Äußeren, auf das sie oft reduziert wird, auch inhaltliche Qualität zu bieten hat.

Shirin Davids Debütalbum SUPERSIZE erschien am 20. September 2019.


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