So war’s bei Karen O im Heimathafen Neukölln

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Nicht alles, was glänzt, ist Gold: Karen O im Heimathafen Neukölln.

Die ganze Situation ist irgendwie falsch: Die Sängerin einer bekannten Indie-Rockband spielt Songs, die sie einst im Liebeskummer aufgenommen hatte, Jahre später auf einer Bühne, die von den Logos eines großen Mobilfunkanbieters gesäumt wird. Persönliche Songs, die nie die Öffentlichkeit sehen sollten und jetzt zu einer Art Werbeplattform gemacht werden. Doch auch abgesehen davon sind Karen Os CRUSH SONGS nicht gerade für die Live-Aufführung geeignet. Die sehr kurzen Stücke (das Album dauert 25 Minuten) leben auf Platte von der extremen Lo-Fi-Qualität der Aufnahme, die wiederum auf der Bühne nicht gegeben ist. Die Performance verliert so schon mal einen wertvollen Sympathiepunkt. Zweiter Nachteil: Manche der Lieder („Ooo“, „Rapt“) mögen einen gewissen Charme haben, andere sind, auch wenn sie bei der Verarbeitung von Os Liebestrauma vielleicht halfen, schlichtweg nicht gut.

Die erste Hälfte des Konzerts gestaltet sich sehr unspektakulär, um nicht zu sagen: langweilig. Karen Os goldenes Paillettenkleid und ihre ständigen Lachanfälle sind noch die Höhepunkte. Die Band, ein Herr und eine Dame, spielen beide überwiegend Gitarre, sorgen aber dann für Spannung, wenn sie es nicht tun: Hier ein Drone, da eine geloopte Beatboxeinlage – viel mehr bedurfte es nicht, um dem O’schen Einheitsbrei eine neue Facette hinzuzufügen. Gut wurde es allerdings erst, als Peaches für den letzten Song aus dem Publikum auf die Bühne kam, um etwas am Tamburin auszuhelfen. Karen O selbst schien durch ihre Anwesenheit motiviert, lachte und hüpfte – und kam in bester Laune zur Zugabe wieder. Und das ist die eigentliche frohe Botschaft des Abends: Karen O kann über die und mit den Songs lachen, die sie einst vielleicht mit Tränen in den Augen geschrieben hat. Dass das Konzert eher dürftig war, sei ihr meinetwegen verziehen.
 

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