Von Grell zu Glamour – Die neue Gaga-Epoche

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Rückblickend kann man sich schon wundern über den rasanten Aufstieg der Lady Gaga.

Als sie im Jahr 2009 in der Berliner Columbiahalle für 20 (!) Euro auftrat, war der Sound mehr schlecht als recht, das Introvideo (schon damals künstlerisch von Warhol inspiriert) auf einen Stoffvorhang projiziert und die Bühnenteile, wie zum Beispiel der Discosockel, sahen aus wie von ihr selbst zusammengeklebt. Stimme, Stimmung und das ganze Drumherum fand man irgendwie gut, aber dieser anfangs eher trashig als stylisch angehauchten Pussycat-Dolls-Songschreiberin gab man nicht lang. Dann kam „Pokerface“.

Alles hatte plötzlich noch mehr Sex, Glitter, Crazyness. Der Erfolg dieses vielleicht geilsten Dance-Popsongs 2008, den, by the way, sogar meine Mutter toll fand, beflügelte Stefani Germanotta. Die Extravaganz hielt Einzug und damit auch die Videokunst. „Paparazzi“, „Bad Romance“, „Telephone“ und „Alejandro“ waren hintereinander nicht nur von namhaften Künstlern (Jonas Akerlund, Francis Lawrence, Steven Klein) werbebepackte Kunstwerke, sondern machten die Gaga gigantischer und, dank „Born This Way“, schließlich zur Schwulenikone.

Dann wurde die Zuneigung zu Gaga in Frage gestellt. Die permanente Anwesenheit der Kunstfigur und mittlerweile Fashionikone nahm überhand. 2011 bis 2013 waren Jahre einer teilweisen Gaga-Genervtheit. Spätestens seit ihrem „Royal Variety“-Auftritt im Jahr 2009 wusste man zwar, dass Lady Gaga auch ohne das ganze Brimborium kann, wenn sie denn wollte.

Schließlich, im Jahr 2014, machte es Puff, ein alter Mann namens Tony Bennett trat in ihr Leben und erreichte genau das, was sich viele wünschten. Eine Gaga, bei der die Lady im Namen mehr angebracht war denn je. Traumhafte Designerroben, glamouröses Haar, ein Jazzalbum. Es ward eine neue Stefani, die mit ihrer Oscarperformance in diesem Jahr mit Sicherheit einen ihrer Höhepunkte erreichte. Gut, die roten Handschuhe zu ihrem Alaia-Couturekleid konnte sie sich nicht verkneifen, aber da sehen wir mal drüber hinweg. Denn eines ist klar: Viele Epochen hatten mehrere Vertreter innerhalb ihrer Zeit. Der Gagaismus aber, der hat nur eine.



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