Covervisionen

Wir haben das Artwork von Muses neuem Album „SIMULATION THEORY“ analysiert

Die Simulationstheorie

Thema der neuen Muse-Platte ist die Simulationstheorie, ein ziemlicher Mindfuck, den sich der Philosoph Nick Bostrom 2003 ausgedacht hat. Um es kurz zu machen: Wenn wir Menschen eines Tages in der Lage sein werden, mit Hilfe von Computern Wesen zu erschaffen, die ein Bewusstsein haben – ist es dann nicht denkbar, dass wir Menschen selbst in einer Computersimulation leben, die eine Vorgängergeneration erschaffen hat? Oder ist es vorstellbar, dass vor uns eine andere Generation von Menschen diese Chance gehabt hätte, sie aber keine Lust hatte, diese zu nutzen?

Bostrom hat dieses Gedankenspiel logisch durch drei Annahmen erschlossen, die zusammen gedacht ein Trilemma ergeben: drei Optionen, die für sich genommen allesamt seltsam erscheinen, von denen aber eine stimmen muss.

So sieht SIMULATION THEORY von Muse aus

Das Motiv

Die chinesischen Schriftzeichen rechts bedeuten „Trilemma“, ansonsten bleibt auf dem Albumcover von der Komplexität dieses philosophischen Denkspiels nicht mehr viel übrig.

Die Illustration zeigt die drei Bandmitglieder Matthew Bellamy, Dominic Howard und Christopher Wolstenholme: Während Schlagzeuger und Bassist eher retro-cool aus der Wäsche schauen, thront der Bandchef über ihnen, trägt eine Virtual-Reality-Brille. Roboterhand und eine Art Discokugel-Matrix im Gesicht legen den Verdacht nahe: Matthew Bellamy ist ein Android. Die Figuren und Requisiten unten hat Gestalter Kyle Lambert aus den Videos entnommen, die Muse zu vier Songs des Albums gedreht haben.

Kyle Lambert ist Anfang 30 und ein Superstar der visuellen Retromania. Seine Karriere als Illustrator begann der Brite mit fotorealistischen Gemälden, die er mit dem iPad und dem Apple Pencil erstellte: Seine Porträts von Morgan Freeman, Beyoncé oder Obama lassen sich kaum von einem Foto unterscheiden. Zuletzt erstellte er ein solches Bild von David Letterman, es ist Titelbild von dessen neuer Netflix-Show.

Lambert versteht sich als digitaler Künstler, gebucht wird er vor allem von Filmfirmen und gestaltet für sie Motive, die alten Videothekencharme mit digitaler Technik verbinden. Sein Motiv für die Netflix-Retro- Serie „Stranger Things“ weckt beim Anschauen die gleichen nostalgischen Gefühle wie die Musik des Soundtracks: Alles wirkt, als käme es original aus den 80ern. Dabei sehen und hören wir: Simulationen.

Die Simulation

Paul Shipper, britischer Illustrator und bekannt geworden durch die Plakate der neueren „Star Wars“- Filme, hat ein alternatives Cover angefertigt, das wiederum wie eine Simulation von Lamberts Original wirkt. Abseits des Muse-Universums nennt man das: ein Plagiat. Es wird Teil des Artworks der Deluxe-Box sein.

Die Welle

Die Science-Fiction-Video-Ästhetik steht seit Jahren hoch im Kurs, Muse sind spät dran: Jan Böhmermanns altes Intro zum „Neo Magazin Royale“ spielte mit ähnlichen Elementen, zum Beispiel setzte auch dieses Logo auf die Kombi von Block- und Schreibschrift. Auch das Cover des Ego-Shooters „Far Cry 3: Blood Dragon“ ähnelt dem von Muse sehr, gerade was die Farbwahl betrifft.


Splatter beim Highschool-Abschlussball: Muse präsentieren den Song „Pressure“ (Video & Stream)
Weiterlesen