Young Fathers

Tape One

Anticon/Indigo

Drei junge Schotten bestellen einen Acker für hybride Umtriebe: psychedelische Marschmusik, HipHop-Rock-Amalgamierungen und Afrofuturismen.

Young Fathers könnte das Projekt sein, das sich ein stilistisch weit gereister Indie-Rock-Sammler in einer stillen Stunde mit seiner Plattensammlung ausgedacht hat. Drei Jungs aus Edinburgh gründen eine Basement-Band, deren Plattensammlungen wiederum ein großes Interesse an Leftfield-Rock, R’n’B, Singer/Songwritermusik und HipHop verrät. Erschienen ist das Debüt der Young Fathers auf einem anfangs für seine experimentellen HipHop-Veröffentlichungen bekannt gewordenen kalifornischen Label: Anticon. Es steht heute für genreübergreifende Erkundungen zwischen dem, was einmal schwarzen und was einmal weißen Künstlern zugeschrieben wurde. Dass in dieser hochinteressanten Grauzone noch Raum für richtige Großtaten ist, demonstrieren die Young Fathers mit den acht Tracks auf tape one. Das Album ist clever, klingt beseelt und dreht ein paar Runden in den Sphären futuristischer Klangkünstler. Man höre nur die psychedelische Marschmusik „Dar-Eh Da Da Du“, den unter schwerem Gepolter kämpfenden Popsong „Deadline“ (habe ich da ein Sample aus einem House-Of-Pain-Song gehört?) oder den Afroragga-Trommelworkshop namens „Sister“ direkt im Anschluss. Wohin das alles noch gehen kann? Keine Ahnung. TAPE ONE ist vielleicht die Platte, die Yoni Wolf alias Why? immer schon einmal machen wollte, aber sie dann doch eine Idee zu clever fand.