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Zayn Mind Of Mine

Sony, 25.03.2016

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Wenige haben’s geschafft: Nur Michael Jackson, George Michael, Robbie Williams und Justin Timberlake sind als Solostars größer und vor allem künstlerisch bedeutender geworden als die Boyband, von der sie sich jeweils lossagten. Sie sind die Ausnahmen von der Regel. Normalerweise führt die Metamorphose ins Nichts: Jordan Knight beispielsweise brachte nach dem Split von NKOTB nur ein Album mit eigenem, reiferem Material zustande, bis er in den sauren Apfel biss und eine Platte namens JORDAN KNIGHT PERFORMS NEW KIDS ON THE BLOCK veröffentlichte. Die Soloplatten von Lee Ryan (Blue), Nick Carter (Backstreet Boys) und den Nasen von Westlife sind selbstverständlich zu vernachlässigen. Ob Ronan Keating jetzt solo oder als Teil von Boyzone langweilt, macht keinen Unterschied. In dieses Schlachtfeld zwischen Death and Glory begibt sich nun Zayn Malik, der sich im März 2015 nach fünf Jahren von der nach wie größten aktuellen Boyband, One Direction, trennte, um etwas Normalität in sein Leben zurückkehren zu lassen und statt Teeniepop anspruchsvollen R&B aufzunehmen.

Im Januar dieses Jahres schoss dann seine Debütsingle, „Pillowtalk“, an die Spitzen der Charts – sogar in den USA, was One Direction bisher verwehrt geblieben war. Nicht nur mit zweifachem Einsatz des Wörtchens „fuck“ emanzipierte er sich von der familienfreundlichen Unterhaltung, die seine Stammband bietet. Er flucht jetzt zwar sehr gern (wir zählen insgesamt 15 „fucks“ und sieben „shits“ auf seinem Debütalbum, MIND OF MINE), wirkliche Abgrenzung beweist er allerdings andernorts: in seiner Stimme.

Zum ersten Mal in seiner Karriere zeigt Malik, zu welcher Ausdrucksfähigkeit er imstande ist. Viel mehr als die damit einhergehende Zurschaustellung seiner technischen Fähigkeiten beeindruckt dabei, dass man ihm das, was er da singt, wirklich abnimmt. Da ist eine unüberhörbare Leidenschaft, ein Wille, diese Musik zu machen. Diese erinnert an die von Miguel, an FKA twigs und Kelela, steht also absolut für die Zeit, in der sie entstanden ist. Vom einstigen Powerpop ist nichts geblieben, MIND OF MINE hält das Tempo konstant gedrosselt. Malik weiß, dass Dringlichkeit keine Frage der Geschwindigkeit ist. Trotz aller Coolness ist dies keine kühle Platte, stets hört man Maliks Herz durch die Songs schlagen.

Herausragend sind das eindringliche Duett mit Kehlani, „Wrong“, das 80s-infizierte „Drunk“ sowie die herzige Rockballade „Fool For You“. Mit dem fast psychedelischen „Intermission: Flower“ findet sich hier sogar ein Song, ein kurzes Liebesgedicht, auf Urdu – Maliks Vater ist Britisch-Pakistaner. Überall lauern kleine Hooks, immer wieder nistet sich eine Minimelodie im Kopf ein. Begreift man die Deluxe-Edition als das Standardalbum, da sich nur auf dieser die essenzielle Single „Like I Would“ befindet (unsympathischer Move, verdonnert er den Fan doch zum Kauf der teureren Variante), ist die Platte mit 18 Songs vielleicht etwas zu viel des Guten. Und ja, das Cover ist zu nahe an dem von Lil Waynes THA CARTER III. Aber sonst gibt es hier erstaunlicherweise nichts zu bemängeln: Zayn Malik will was und hat mindestens so viel erreicht. Wünschen wir ihm, dass er den Boyband-Stempel bald von der Stirn gewischt bekommt und sich ein geschmacklich anspruchsvolleres Publikum als bisher traut, sich mit ihm zu beschäftigen.

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