5 Gründe, warum wir die Serie „Ted Lasso“ lieben

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1. Die Gutmütigkeit!

Die erste Staffel von „Ted Lasso“ feierte im August letzten Jahres seine Premiere auf Apple+. Sie ging – wie viele Produktionen auf diesem Kanal – erst einmal ein wenig unter. Brauchte es wirklich eine Serie über einen College-Football-Trainer, der eine Fußballmannschaft in England trainiert? Eigentlich dachten wir: Nö. Jason Sudeikis machte uns dann aber doch ein wenig neugierig. Der spielte immerhin in einigen der lustigen Clips bei „Saturday Night Live“ mit (diesem hier zum Beispiel). Mit ein wenig Recherche lernten wir auch, dass Sudeikis und sein alter Impro-Theater-Buddy Brendan Hunt die Charaktere Ted Lasso und den bärtigen Coach Beard schon vor einigen Jahren für Clips des TV-Senders NBC konzipiert hatten:

Spätestens nach der zweiten Folge hatte Ted uns dann schon um den Finger gewickelt. Mit einer Charaktereigenschaft, die im Serien-Game in den letzten Jahren eher als Kassengift gesehen wurde: Gutmütigkeit. Man mag es kaum glauben: Ted Lasso ist wirklich ein naiver, aber im Herzen gutmütiger Mensch. Damit verstört er sein neues Arbeitsumfeld als Trainer des britischen Premier-League-Clubs AFC Richmond zunächst und gewinnt am Ende doch alle für sich. Feelgood-TV also – aber verdammt lustiges. Dafür ist neben dem Cast auch Bill Lawrence verantwortlich – ein alter Sitcom-Hase, der schon bei „Scrubs“ an Bord war. Er sagte der New York Times kürzlich: „Ich liebe vor allem, dass die Show im Internet erst gehasst wurde, bevor die erste Folge kam. Und kaum war sie ausgestrahlt, schrieben viele: ‚Scheiße, ich kann es kaum glauben, aber die Show ist richtig gut.’“ Sudeikis erklärt im gleichen Interview: „Das Thema und der Tonfall schwirrten mir schon eine Weile im Kopf herum. Ich wollte nicht schon wieder diesen Spannungsbogen vom Arschloch zum Heiligen – so gut wie Ricky Gervais mit David Brent kriegt man das eh nicht hin. Also dachte ich mir: ‚Hey, warum nicht einfach mal den good guy spielen‘?“ Genau das traf einen Nerv – vor allem als der Sommer 2020 in einen deprimierenden Lockdown-Winter überging. Kaum eine Kritik kam mit Sätzen aus wie: „Diese Show haben wir gerade gebraucht.“

2. Die Frauen!

„Ted Lasso“ wirft von Anfang an ein paar Erwartungen und Klischees über den Haufen. Wer sagt denn zum Beispiel, dass die Frauencharaktere in einer Fußballserie nicht einfach mal den Männern die Show stehlen können? Da wäre vor allem die vermeintlich eiskalte Vereinspräsidentin Rebecca Welton (Hannah Waddingham). Ihr gehört der Verein, obwohl ihr Ex-Mann bisher die Geschäfte führte. Um sich an ihm zu rächen, holte sie Ted Lasso nach England, damit dieser den Verein unter die Grasnarbe reitet. Wie Rebecca langsam ihre Leidenschaft für das Team entwickelt und dabei ihr eigenes Selbstwertgefühl wiederfindet, ist wundervoll erzählt und gespielt. Als Gegenpol rauscht die Spielerfrau Keeley (Juno Temple) durch die Serie. Wild fluchend, top-gestyled, prollig und direkt, stellt sich raus, dass man ihr in Sachen emotionaler Intelligenz kaum das Wasser reichen kann. In der zweiten Staffel, die vor zwei Wochen startete, kommt Sarah Niles hinzu: Sie spielt die zuerst kühl auftretende Psychologin Dr. Sharon Fieldstone mit einem knochentrockenen, schlagfertigen Humor, bei dem man sich fragt, wie sie das ohne Grinsen im Gesicht spielen kann.

3. Die Männer!

Die kantigen Spieler das AFC weigern sich ebenfalls mit jeder Folge mehr, den Klischees zu entsprechen, die man ihnen zuerst anhängen will. Jamie Tarrt (Phil Dunster) zum Beispiel ist zwar ein arroganter Schönling und Top-Spieler, aber eben auch ein zutiefst zweifelnder Typ mit schwieriger Kindheit. Wie er sich erst vom Arschloch zum good guy, dann aber auch wieder in die andere Richtung entwickelt, ist sehr sehenswert. Der kantige Roy Kent (Brett Goldstein) wiederum ist ein anderes Kaliber: Er ist der knurrige Altprofi, der ganz oben war und nun seine letzte Profijahre erlebt. Die nachlassende Fitness macht ihm zu schaffen – und dann verliebt er sich auch noch in Keeley, die eigentlich mit Jamie zusammen war. In der zweiten Staffel treiben die Showrunner das Spiel mit den männlichen Klischees und Erwartungen amüsant auf die Spitze. Roy, der am Ende der ersten Staffel auf einer Pressekonferenz unter Tränen sein Karriere-Aus erklärt, schämt sich in der zweiten Staffel immer noch in Grund und Boden dafür. Keeley wiederum, die nun mit ihm zusammenlebt, findet sein Weinen so hot, dass sie zum Youtube-Video der Konferenz auf dem Sofa masturbiert. Wie Roy mit Hilfe von Keeley seine emotionale Seite erkennt und dabei eher noch an Coolness gewinnt – so was sollte man viel häufiger in Serien sehen.

4. Die Tradition!

„Ted Lasso“ steht mit seiner Underdog-Story in einer Tradition, die einige sehr tolle Feelgood-Filme hervorgebracht hat. Die Grundidee erinnert zum Beispiel stark an „Die Indianer von Cleveland“, bei der ein Chaos-Team so schlecht spielen soll, dass die Besitzer den Verein in eine andere Stadt verkaufen können. Auch „Die Bären sind los“, „Die Stunde des Siegers“, „Eine Klasse für sich“ oder selbst „Space Jam“ schlagen in diese Kerbe. Unsere liebste Szene aus all diesen Filmen ist nach wie vor diese (auch wenn es schmerzt, dass Sheen so ein Arschloch geworden ist oder schon immer war):

5. Der Fußball!

Natürlich darf der Fußball in dieser Liste nicht fehlen. Wobei „Ted Lasso“ selten mit großen Stadien-Szenen arbeitet – was sicher auch dem Budget geschuldet ist. Aber die Serie erzählt die Dynamik zwischen Trainer und Spielern sehr liebevoll und treffsicher. Wenn es mal Spielszenen gibt, haben diese oft einen Slapstick-Charakter, der trotzdem respektvoll daherkommt. Selbst wenn der Topstürmer Dani Rojas beim Elfmeter aus Versehen das Vereinsmaskottchen killt. Echte Highlights sind auch die Szenen mit der Sportpresse. Die Pressekonferenzen des AFC Richmond haben nicht nur wegen Ted einen hohen Unterhaltungswert. Die TV-Berichterstattung ebenso: In der aktuellsten Folge tritt Jamie auf Bitte von Keeley als Experte in einer Fußballshow auf – und bügelt in einer leidenschaftlichen Tirade das mittelmäßige Derby Manchester United vs. Manchester City über. Der Moderator ist dabei entsetzt und amüsiert – da ein Großteil des Vortrags ausgepiept werden musste, sagt er zum Schluss: „Once again we apologize for nearly every word Roy just said.“


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