Berlinale-Eröffnung 2017: Der 1. Festival-Tag in 5 Minuten

Am Donnerstag ist der Startschuss für die 67. Berlinale gefallen. Eröffnet wurden die Filmfestspiele mit Prominenz auf dem roten Teppich, Eiseskälte am Potsdamer Platz und einem Biopic über Jazzpionier Django Reinhardt.

Abseits der offiziellen Zeremonie wurden allerdings schon die ersten der 399 Filme auf der Berlinale der Presse gezeigt. Und da die Flut an Drama und Doku viel zu groß ist, um sie in Gänze auszuwerten, stellt me.Movies täglich ausgewählte Filme von der Berlinale vor.

Immerhin ist das Berliner Filmfestival ein Publikumsfestival, für das sich jedermann Tickets kaufen kann und sollte. Die folgenden Kurzkritiken helfen Euch bei der Filmfindung in den kommenden Festivaltagen.

Gesehen:

„Django“

Das Biopic über den Sinti-Jazzmusiker, der 1943 aus Paris flüchtet, weil er sich nicht von den Nazis für eine Propaganda-Tournee vor den Karren spannend lassen möchte, erhält die Ehre, die diesjährigen Festspiele zu eröffnen. Zugleich ist der Film auch im Wettbewerb um den Goldenen Bären vertreten.

Dort dürfte er allerdings keine Chance haben. Zwar beeindruckt die Anfangssequenz, in der im Wald musizierende Sinti noch während des Singens per Kopfschuss hingerichtet werden. Wenig später verfällt der Film allerdings in 08/15-Biopic-Dramaturgie. „Neruda“ und „Jackie“ haben es zuletzt besser geschafft, historische Figuren spannend und ideenreich in Szene zu setzen. Regisseur Etienne Comar versäumt es, das Innenleben der Jazzlegende in mitreißende Bilder umzumünzen. Bei „Django“ bleibt nur guter Wille und bei der Berlinale besonders erholsamer Sekundenschlaf zurück.

„Dayveon“

Ein Paradebeispiel, dass kürzere Filme einfach liebenswürdig sind. Regisseur Amman Abbasi erzählt in nur 75 Minuten eine kleine, authentische Geschichte über Kleingangster in den USA. Der große Bruder des 13 Jahre alten Dayveon ist erschossen worden. Und weil Dayveon ein kleiner Idiot ist, bewältigt er seine Trauer damit, dass er sich der „Blood“-Gang anschließt. Was folgt: Schläge als Aufnahmeritual, stümperhafte Raubüberfälle und der verzweifelte Versuch, den Jungen wieder auf die richtige Bahn zu lenken.

„Dayveon“ ist Indie-Kino pur. Unverbrauchte Darsteller, bescheidene Mittel beim Dreh. Die Geschichte um den Möchtegern-Ganoven ist aber ohne belastend erhobenen Zeigefinger und vor allem glaubhaft erzählt. Da stören auch nicht die Kamera-Spielereien, mit denen Abbasi an manchen Stellen bemüht versucht, ganz großes Kino im Stile von „Moonlight“ aus dem intimen Stück zu machen.

Dayveon

„The Tokyo Night Sky Is Always the Densest Shade of Blue“

Ein Filmtitel wie deutscher Beamtensprech. Allerdings ist das Liebesdrama über die Einsamkeit in der japanischen Hauptstadt sehr kurzweilig. Yuya Ishii folgt zwei (vielleicht) Verliebten durch die hier etwas weniger eindrucksvoll aussehenden Häuserschluchten. Sie: Misanthropin mit zwei Jobs und zu vielen schlauen Sprüchen. Er: Auf einem Auge blind, geschwätzig und pleite.

Gemeinsam einsam in Tokio.

Wir sehen die Annäherung der Figuren und unzählige kurze Momente, die Verzweiflung, vergebene Lebensmüh und Suizidgedanken der japanischen Großstädter dokumentieren. Mal mit gelungenen visuellen Einfällen, mal mit welchen von Vorgestern. Sehenswert vor allem für Japan-Fans und grunddepressive Menschen, die sich gern in ihrer Weltsicht bestätigt fühlen wollen.

Nicht gesehen:

  • The Wound“, der die Panorama-Sektion eröffnet hat. Es geht um Beschneidung in Afrika. Und um Liebe zwischen Männern in einer Umgebung überholter Macho-Bräuche. Wurde in den Gängen des Kinos viel gelobt.
  • Menschenmassen am Berlinale Palast
  • Tilda Swinton, ihr kam leider was dazwischen
  • Glückliche Gesichter nach der „Django“-Pressevorführung

Aufgeschnapptes Zitat des Tages:

„Den normalen Kinozuschauer interessiert später sowieso nicht, wer die Berlinale gewonnen hat“


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