Blind Date: Was Thurston Moore über Die Nerven, Blur und Ryan Adams zu sagen hat

Auch vier Jahre nach der Trennung von Kim Gordon verbindet man mit Thurston Moore vor allem die Band, die ihn und seine Ex-Frau zu Ikonen des Indie-Rocks gemacht hat: Sonic Youth. Bevor es abends mit seinem Soloprogramm und seiner eigenen Band auf die Bühne des Berliner „Postbahnhofs“ geht, bittet ein zuvorkommender und wissbegieriger Thurston Moore in seine Garderobe. Die Idee des Blind Dates gefällt ihm – auch, wenn er kaum einen der vorgespielten Songs kennt. Trotzdem hält er zu jedem der Songs einen schier endlosen Monolog.

Ryan Adams – „Welcome To New York“

(keine Reaktion)

Das ist Ryan Adams, der „Welcome To New York“ von Taylor Swift covert.

Ich habe davon gehört. Ich kenne mich mit Taylor Swifts Musik nicht besonders gut aus, muss ich dazu sagen. Sie scheint jedoch eher zur Beschallung von Hotellobbys gemacht zu sein. Diese Version wiederum gefällt mir. Das erinnert mich an Tom Petty, auch etwas an Bruce Springsteen. Taylor Swift kommt, im Gegensatz zu Ryan Adams, aus einer sehr wohlhabenden Familie und scheint trotz all der Aufmerksamkeit und all des Geldes eine starke Persönlichkeit zu sein. Dafür schätze ich sie sehr.

Hast du als langjähriger Einwohner New Yorks ein Problem damit, dass sie „Welcome To New York“ singt?

Überhaupt nicht. Ich denke, New York ist eine Stadt, die jeden mit offenen Armen begrüßt. Jeder, der dorthin kommt, erschafft sein eigenes Stück Geschichte.

https://www.youtube.com/watch?v=69HxXfjtH8c

Die Nerven – „Dreck“

Das ist wirklich gut! Könnte eine Steve-Albini-Produktion sein. Ich höre etwas The Fall heraus, ein wenig The Jon Spencer Blues Explosion …

… ein bisschen Sonic Youth?

Ja, wahrscheinlich auch das. Aber sie sind zu keinem Zeitpunkt Kopisten. Das gefällt mir sehr. Die würde ich gerne live sehen! Schade, dass sie heute Abend nicht mit uns hier spielen. Ich verstehe zwar nicht, worüber sie singen, aber es klingt, als würden sie über Sex und Religionen klagen. Wo kommen die Jungs her?

Aus Stuttgart.

Da war ich erst letztens. Eine sehr interessante Stadt. Dort war doch die RAF-Gerichtsverhandlung. Das hier könnte auch eine RAF-Partyband sein.

Grimes – „California“

Ich dachte erst, das sei ein neuer M.I.A.-Track. Ich wäre niemals auf Grimes gekommen. Ich bin ziemlich verwundert, dass Grimes plötzlich so kommerziell klingt. Ich dachte immer, ihre Musik wäre ausgefallener. Hier wurde zu viel Autotune benutzt, was mir überhaupt nicht liegt. Ihr Gesang ist comicartig, wie ein Ballon, der Luft verliert.

Manche Leute sagen, sie sei die neue Madonna.

Niemand kann Madonna das Wasser reichen. Madonna war schon da, als es noch gar keine Konkurrenz gab. Sie war die Erste und wird sicher nicht von Grimes entthront werden.

https://www.youtube.com/watch?v=E7kvoO8eYgs

The Velvet Underground – „There She Goes Again“

Das kenne ich natürlich! The Velvet Underground waren zu ihrer Zeit eine untypische Rock’n’Roll-Band. Sie schafften es, die Kunst vor dem Kommerz anzusiedeln. Lou Reed verstand es, sich überall Inspiration zu holen – nicht nur in Warhols Factory.

Der Backkatalog von Velvet Underground wird aktuell in hochwertigen Boxsets wiederveröffentlicht. Was hältst du davon?

Ich finde so etwas wirklich toll, obwohl ich eher an den Büchern interessiert bin, die solchen Boxen immer beiliegen. Mein Problem mit solchen Re-Releases ist, dass ich nie dazu komme, sie mir anzuhören. Ich habe ja nicht einmal genug Zeit, um an meiner eigenen Musik zu arbeiten. Ich trage 600 Stunden an Outtakes auf meinem Rechner mit mir herum, die ich eigentlich durchhören muss, bevor ich mich mit der Musik anderer Künstler beschäftige. Aber, um noch einmal zurück zum Thema zu kommen: Ich mag, dass für solche Wiederveröffentlichungen die Archive durchstöbert werden und etwa alte Master-Tapes wieder ans Licht kommen. Das ist die Musik, wie sie damals wirklich klang. Das finde ich einfach nur wundervoll.

„The Horrors haben gefühlt 6000 Laser auf der Bühne herumstehen. Mir genügt eine schwingende Glühlampe.“ – Thurston Moore

Deafheaven – „Luna“

Sind das Enslaved?

Nein, das sind Deafheaven.

Den Namen höre ich zum ersten Mal.

Sie werden oft mit dem Label „Hipster Metal“ versehen. Du sagtest einmal, der heutige Black Metal sei für „Pussies“ …

… was als Kompliment gemeint war. Diese Aussage war gar nicht auf die Musik bezogen, sondern darauf, dass sich die Black-Metal-Szene nicht um die Musikindustrie schert. Sie ähnelt der Feminismus-Bewegung, die sich immer weiter emanzipiert von diesem ganzen Bullshit, der Frauen eingeredet wird. Black-Metal-Bands interessieren sich auch nur für ihre eigene Gemeinschaft aus „Metal Warriors“. Was ich besonders am Metal mag, sind die verwirrenden Klänge, die man in keinem anderen Genre findet. Mir gefällt auch dieser Song von Deafheaven. Im ersten Moment musste ich an Slayer denken. Die Produktion ist gigantisch.

https://www.youtube.com/watch?v=ifyQfFNgO3E

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