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Nachbericht

Bohren & der Club of Gore live in Hamburg: Langsamkeit als Verweigerung

Zwei Fraktionen der modernen Musik sind für ihre einst harte Abgrenzung vom Pop besonders bekannt und haben normalerweise nichts miteinander zu tun: Metal und Jazz. Seit Anfang der 1990er steht Bohren & der Club of Gore für ihre Verbindung. Die Dark-Jazz-Pioniere aus Mülheim an der Ruhr setzen auf Langsamkeit als Prinzip. Am 5. März begannen die „hauptberuflichen Entschleuniger“ ihre Tour zum neuen Album PATCHOULI BLUE im Hamburger Kampnagel.

Die aktuelle Besetzung aus Morton Gass, Robin Rodenberg und Christoph Clöser spielt seit 2015 als Trio. Clöser kümmert sich jetzt um das Saxophon, um Vibraphon und Klavier. Während Gass Orgel und Baritongitarre bedient, spielt Rodenberg hauptsächlich Bass. Beide teilen sich die Drums. Gass und Rodenberg gehörten 1988 zu den Bandgründern. Der Schritt weg vom Metal vollzog sich bei ihnen ähnlich schleichend wie bei manchen Dungeon-Synth-Projekten, obwohl es auch dort Überschneidungen zum Jazz gibt (siehe Brutus Greenshield). Nach dem Best Of BOHREN FOR BEGINNERS vor vier Jahren ist mit dem achten Album nun das bisher zugänglichste Werk entstanden.

Nach 20 Uhr lässt sich am 5. März Kristin Theresa Drechsler auf der dunklen Bühne des Saals K6 nieder. Auf einer Decke hat sie ihr Bodenharmonium aufgebaut, das die Hamburgerin als Blurred Twin, halb kauernd, bedient. Während sich die ausverkaufte Tribüne noch füllt, spielt sie vier Stücke, die bei ihrem Neofolk-Projekt jeweils aus mehreren Abschnitten bestehen. Zu hektischen Klängen singt sie leidenschaftlich von Verlust und Schmerz. Ihre Performance wird vom schwarzgekleideten Publikum mit Interesse verfolgt.

Die Herren der Langsamkeit

Gegen 20:45 Uhr tritt dann der Club of Gore in die Dunkelheit, die nun passend zu ihren Melodien sphärischen Farben weicht. Sie beginnen mit „Total Falsch“, das sie „total richtig“ spielen, wie Clöser sich selbst lobt. „Tief Gesunken“ widmen sie dem Hamburger SV. Clösers staubtrockener Humor gefällt den Zuhörern sehr. Er steht etwas im Kontrast zu der ernsten Musik. Auf die ermattende Trägheit der Stücke kann sich jedoch nicht jeder gleich einstellen. Ständiges Aufstehen, Platzwechsel oder Kommentare stören mitunter die Atmosphäre. Wirkliche Ruhe herrscht erst kurz vor der Zugabe.



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