Popkolumne, Folge 22

Mehr Sheer Mag, weniger Sexismus: Die Popwoche im Überblick

Es ist Sommer in Berlin und dem Rest des Landes. Wenigstens hat man es also schön warm in der Wohnung, wenn man die Mieterhöhung aus dem Briefumschlag holt – freuen wir uns also mal so richtig ungeniert. Zum Beispiel über die nervöse, dämmerige, fantastische Krachmusik der Londoner Band Black Midi, deren Debütalbum morgen endlich erscheinen wird. Über Haiytis Videodreh im Waterloo der österreichischen Innenpolitik, der sagenumwobenen Strache-Villa auf Ibiza. Und vor allem über ein neues Lebenszeichen von Sheer Mag. Die schlechten News kommen, eh klar, am Ende ja doch noch.

Song der Woche: Sheer Mag – Blood From A Stone

Peoples, es wird wieder geschwitzt und geröhrt, dass das Kondenswasser ins Bier tropft. Und zwar in „Blood From A Stone“, der neuen Single von Sheer Mag aus Philadelphia, deren 70ies-inspirierter Superpower-Megarock eigentlich immer ein bisschen zu viel ist – und deshalb, vor allem dank Sängerin Tina Halladay, genau richtig. Mal wieder scheppern Sheer Mag einen (ziemlich geradlinigen) Song zusammen, der einen zugleich an die Brust drückt und in den Arsch tritt. Damit liefern sie nicht nur den perfekten Vorboten des neuen Albums A DISTANT CALL, das am 23. August erscheinen wird – sondern auch die beste Musik, um die Haare vorm Ventilator zu schütteln. Promise.

Fauxpas der Woche: Nominierung für Bonez MC

Nachdem das dynamische Duo Kollegah und Farid Bang im vergangenen Jahr mit seinem grenzdebilen Gegrunze über Auschwitz-Insassen, das eine Fachjury Award-würdig fand, versehentlich den ECHO abgeschafft hat, bekommt die „urbane Musiklandschaft“ nun einen eigenen Preis: die Hype-Awards. Ins Leben gerufen haben den Preis Sido, die Promoterin Marina Buzunashvilli, der Konzertveranstalter Streetlife International und die Werbeagentur Dojo; die Jury setzt sich unter anderem aus Journalisten, Labelmachern und Produzenten zusammen.

Am 10. Juli sollen die Hype Awards zum ersten Mal in der Verti Music Hall in Berlin vergeben werden, nun wurden die Nominierten bekannt – und in diesem Zuge auch gleich der erste Fauxpas. In der Rubrik „Bester Instagram-Account“ ist nämlich ausgerechnet der Rapper Bonez MC nominiert. Der machte sich, wir erinnern uns, kürzlich via Instagram über die Ex-Freundin seines 187-Straßenbande-Buddys Gzuz lustig, nachdem die dem Rapper häusliche Gewalt vorgeworfen hatte. Auf diesen Mangel an Debattengespür hatte unter anderem der Musikjournalist Johann Voigt hingewiesen.



Gegen Eminem, The Strokes, Gwyneth Paltrow und Trump, für Finna, EA80 und Kaleo Sansaa: Die Popwoche im Überblick
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