Carl Barât im Interview: „Natürlich hat Pete die Libertines-Reunion ohne uns zugesagt!“

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Carl Barât mit seiner neuen Band The Jackals live im Londoner XOYO am 15. Mai 2014

2014 ist nicht nur das Jahr, in dem die Libertines ihre zweite Reunion nach ihrer Trennung zehn Jahre zuvor feiern – es ist auch das Jahr des Carl Barât. Wir trafen den Co-Frontmann der Libertines im Mai im Berliner Bang Bang Club, wo er als DJ Indierock auflegte und sprachen mit ihm über neue Babys – Barât wird im August zum zweiten Mal Vater und bringt das Debütalbum seiner neuen Band The Jackals heraus – , alte Bands, eine Doku über ihn selbst und gute und schlechte Reunions. Oh, und natürlich über Kumpel Pete Doherty, der den Gig der Libertines im Londoner Hyde Park im Juli wegen Geldproblemen gleich mal klarmachte – und seine Bandmitglieder erst danach fragte. Die fühlten sich geschmeichelt, sagt Carl Barât.

Warum passiert die Live-Reunion denn nun, 2014, wieder? Nur weil Ihr danach gefragt wurdet?

Carl Barât: Hey, sie fragten uns, ob wir das Hyde Park Festival headlinen wollen! Ist eine ziemlich nette Anfrage, wie ich finde!

Das war bestimmt nicht die erste Anfrage, ein Festival zu headlinen.

Carl Barât: Es fühlte sich einfach wieder richtig an. In den letzten vier Jahren ist uns nichts Schreckliches widerfahren. Trotzdem war das für mich nie eine realistische oder irgendwie naheliegende Option. Aber sie fragten und wir sagten: „Warum nicht?“ Es fühlt sich gut und nach einem guten Sommer an. Und anscheinend wollen die Leute es ja auch.

Stimmt, eine Reunion der Libertines war immer eine, die nicht nur die Fans wirklich wollten.

Carl Barât: So sagen es manche, ja. Das ist komisch, manchmal auch frustrierend. Aber wenn Du Teil der Libertines bist und es funktioniert am Ende, dann fühlst Du Dich unberührbar. Dafür lohnt sich das Risiko.

Wann genau kam denn die Anfrage, und wann Eure Zusage?

Carl Barât: Die Gerüchte hielten sich schon länger, wir haben sie nicht weiter beachtet. Bis wir hörten, dass Pete tatsächlich zugesagt hat. Also telefonierten wir und…

Pete hat Euch vorher wirklich nicht gefragt, er hat einfach zugesagt?

Carl Barât: Na klar. So ist Pete eben, ich hätte nichts anderes von ihm erwartet. Und verglichen damit, wie wir die letzten Jahre sonst so kommunizierten, glich das nun einem Olivenzweig, einem Friedensangebot. Es schmeichelte uns, als wir hörten, dass Pete offenbar Lust auf eine Reunion hat. Also sagten wir sofort zu.

Was passierte dann? Erste Bandtreffen, gar Proben?

Carl Barât: Nein, natürlich nicht. Libertines und üben? Komm‘ schon! Pete und ich trafen uns in Barcelona, verbrachten Zeit zusammen, liefen durch die Stadt und spielten ein paar Songs. Das war das erste Mal seit 2012, dass ich ihn wieder traf. Damals traf ich ihn in Paris.

In einem anderen Interview sagtest Du, dass Ihr neue Songs schreiben und im Juli spielen wollt.

Carl Barât: Naja, wir machen eben so Pläne, wie wir Pläne machen. Pete und ich haben in Barcelona wieder angefangen, gemeinsam zu spielen, das ist der erste Schritt. Wir verbringen Zeit miteinander und wenn man das tut, schreibt man früher oder später auch gemeinsam. Als logische Konsequenz also schreiben wir früher oder später wirklich neue Songs, aber es kommt ja bekanntlich immer drauf an. Außerdem haben wir auch noch ein paar alte Songs, die wir noch nicht aufgenommen haben. „Music When The Lights Go Out“ von unserem zweiten Album etwa war damals schon ein alter Song, den gab es bereits, bevor wir überhaupt einen Plattenvertrag hatten. Das Komische bei uns ist: Wann immer wir wieder zusammenfinden, fühlt es sich nicht an, als wären schon zehn Jahre vergangen. Wir spielen die Songs einfach wieder, die wir zehn Jahre nicht mehr spielten.

Wie geht es jetzt weiter bis zum 5. Juli? Ab in den Proberaum oder gleich auf die Bühne?

Carl Barât: Das wäre toll, ja. Wir haben zumindest nicht geplant, ein bisschen zu üben. Ich drehe gerade einen Film und habe deswegen nicht viel Zeit. Ja, doch, wir sollten schon üben, wenn ich so darüber nachdenke. Wir spielen auch einen Warm-Up-Gig in Glasgow. Ende Juni.

Sind noch weitere Vorabshows geplant?

Carl Barât: Nee, eigentlich nicht. Beim letzten Mal haben wir Schottland außen vor gelassen, wir spielten Reading und gingen wieder. Dort haben wir aber viele Fans.

In Deutschland auch.

Carl Barât: Jaja, okay, gibt uns etwas Zeit (lacht)! Wir schauen mal, wie es anläuft. Noch gibt es keine konkreten Pläne. Aber natürlich würden wir gerne nach Deutschland kommen. Gerade Pete hat eine starke Verbindung zu Deutschland.

Die Hyde-Park-Show wird also nicht die einzige bleiben?

Carl Barât: Das hoffen wir. Wenn es gut läuft, machen wir weiter, ja. (Anm. der Red.: Eine weitere Headliner-Show der Libertines beim Benicàssim-Festival wurde in der Zwischenzeit bereits bestätigt)

Erstmal mit weiteren Konzerten oder auch mit neuer Musik?

Carl Barât: Wir können nicht ewig nur weitere Shows spielen, wenn Du verstehst, was ich meine.

Können wir es also doch schon eine richtige Reunion nennen, nicht mehr bloß Live-Reunion?

Carl Barât: Wir haben noch keinen Plattenvertrag oder etwas in der Art. Aber wenn sich Raum und Zeit dafür auftun sollten… Es ist, wie ich sagte: „Pläne“ und die Libertines, das ist so eine Sache!

Das vollständige Interview mit Carl Barât lest Ihr in der August-Ausgabe des Musikexpress, ab dem 17. Juli 2014 am Kiosk und im App Store.

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