Cro im Blind Date: „Ich würde mich freuen, wenn Casper mal so ein Mixtape wie früher machen würde!“

Im Backstageraum der Münchner Olympiahalle sticht ein Klamottenberg ins Auge, auf dessen Gipfel zwei Pandamasken ruhen. Zum gemütlichen Liederraten erscheint der Inhaber dieses Outfits, Carlo Waibel aka Cro, allerdings in Wollmütze. Doch auch diese bildet, wie man immer sieht, wenn er sie sich übers Gesicht zieht, einen Panda ab. Das macht deutlich, wie fest der Mensch Waibel mit seiner Rolle Cro verwachsen ist.

KENDRICK LAMAR – I

Cro: Das ist mir ein bisschen zu karibisch. Erkenne ich nicht.

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Musikexpress: Das ist Kendrick Lamar.

Cro: Mach mal laut! Ich kenne den, aber das klingt anders. Krass.

BONAPARTE – I WANNA SUE SOMEONE

Cro: Das ist eher was für meinen Gitarristen Tim. Killerpilze?

ME: Bonaparte.

Cro: Nie gehört. Soll live ziemlich crazy sein, mit den Pferden, den Trampolins und den Laserstrahlen. Die Mucke kenne ich nicht. Ich kann aber gerade auch nicht viel damit anfangen, ist mir ein bisschen zu „Ouhwauu, ich bin dirty und ich, rrwwauu, mach die ganze Zeit … rouhwauu!“. Aber die Hook kommt fett.

JAY-Z – HARD KNOCK LIFE

Cro: Hey, was’n des? Das kenne ich nicht. (lacht) Yeah, check die Bassline. Fett! Kindheit.

ME: Woher kam die Idee, sich daran für dein „Never Cro Up“ zu bedienen?

Cro: Die Idee kam nicht wirklich von da her. Ich habe die vom „ Peter Pan“-Musical. Und die Idee zu „Hard Knock Life“ kommt vom Musical „Annie“.

SUGARHILL GANG – APACHE

Cro: Fett! Das ist so uralt, dass es keiner mehr kennt. Das ist aber nicht Kool & The Gang oder so?

ME: Sugarhill Gang.

Cro: Das ist fett. An jedem Abend in jedem Club kommt so was einmal, und alle wissen Bescheid, was sie machen müssen.

ME: Die sind ähnlich wie du mit altem Material umgegangen.

Cro: Klar, das könnte man jetzt wieder nehmen, weil es wieder 20 Jahre her ist – 2.0 eben. In der Musik allgemein wird sich ständig bedient. The Verve, „Bitter Sweet Symphony“, das war auch von den Rolling Stones, und trotzdem rafft es keiner.

EDGAR WASSER – GANGSTA

Cro: Klingt wie Eminem. Das würde ich jetzt gerne laut hören, auf großen Boxen, dann würde es pumpen. Das hat was. Ist nur dumm, wenn man den Text auf Deutsch versteht, dann wirkt das etwas blöde. Auf Englisch klingt so was immer cooler.

MC FITTI – EINHORN FANG

Cro: Cooler Typ. Über seine Rapskills kann man streiten, aber er ist ja auch älter und macht das nur aus Spaß. Er fragt immer gerne: Was macht die Jugend so? Und wenn man ihm etwas gesagt hat, hört man im nächsten Lied, wie er das im Text eingebaut hat, irgendein dummes Wort, das er aufgeschnappt hat. Finde ich aber ganz witzig. Ich kann kein Album durchhören, da wird man ja bescheuert. Aber die Beats finde ich teilweise fett.

AZEALIA BANKS – LUXURY

Cro: Kenne ich nicht. Irgendeine xy, random … Christina Aguilera?

ME: Etwas kredibler.

Cro: Klingt fett. Ein bisschen wie Missy. Aber Missy kann nicht singen.

ME: Azealia Banks.

Cro: Scheiße, kenne ich nicht. Wenn ich ein Mädchen wäre, würde ich es fett finden. Aber ich würde es nicht pumpen, wenn meine Homies im Auto sind.

OLLI SCHULZ – PHASE

Cro: Genau mein Ding, Schlendermucke. (als der Gesang einsetzt) Jetzt nicht mehr. Ich hatte jetzt Two Door Cinema Club oder so was Geiles erwartet. Aber den Beat würde ich so direkt mitnehmen. Die Prinzen?

ME: Olli Schulz.

Cro: Krass, wie der Name das Lied gleich wieder ein bisschen cooler macht. Aber der hat auf jeden Fall witzigere Teile.

JAN BÖHMERMANN – ISIS

Cro: (holt sich das Abspielgerät direkt ans Ohr)

ME: Noch nie gehört?

Cro: Nein. Wer ist denn das?

ME: Jan Böhmermann in der Sendung NeoMagazin. Persifliert „Easy“ als Lied auf die Terrormiliz ISIS.

Cro: Lustig. Das ist halt Komödie.

ME: Darf man, oder?

Cro: Darf man, klar. Aber es gibt auch Parodien, die mich ankotzen. Die meisten Parodien auf mich finde ich bescheuert. Die ganzen Möchtegern-Comedian-Kids, die denken, sie wären witzig, nur wenn sie mit einem Pandakostüm durch den Zoo rennen oder einen Purzelbaum durch den Park machen. Aber Böhmermann ist innovativ, das ist cool.

CASPER – ALLES ENDET (ABER NIE DIE MUSIK)

Cro: Was ich bei Casper nicht verstehe: Der lebt den A$AP-Rocky-Lifestyle, harte Gangsta-Mucke, kiffen, saufen, ficken, Bitches, Motherfucker … Aber dann kommt von ihm nur: Wunderschöne Verlierer der Welt, bauen, um wieder aufzubauen, alles endet, alles endet … Warum macht er nicht: Cash money, motherfucker! Ich würde mich freuen, wenn er mal so ein Mixtape machen würde wie früher, gangstermäßig, nicht immer so episch.

DIE FANTASTISCHEN VIER – DAS SPIEL IST AUS

Cro: Fettes Brot?

ME: Nicht ganz.

Cro: Sind das die Fantas? Krass.

ME: Kannst du mit denen noch etwas anfangen?

Cro: Ich kann schon locker acht, neun Jahre nichts mehr mit Fanta 4 anfangen. Klar, früher, „Die da!?!“, „Der Picknicker“, „ MfG“ … Was schreien die denn jetzt so rum? Früher waren sie cool.

MILKY CHANCE – FLASHED JUNK MIND

Cro: Klingt, als wäre es in den Charts in den Top fünf. Das typische Gitarrending, das gerade jeder macht, jetzt könnte noch ein Saxofon kommen. Kommt jetzt noch ein „Hey“? Ach, Milky Chance! Den Sänger habe ich beim Echo getroffen, der ist so ein Bon-Iver-Typ. Ich und mein Kumpel und meine Gitarre und ein Mikrofon. Das ist fett.

TOKIO HOTEL – STORMY WEATHER

Wirklich eklig. Aber nicht cool eklig wie Marilyn Manson, sondern so gummibärcheneklig.

FLYING LOTUS – DEAD MAN’S TETRIS

Cro: Mr. Oizo?

ME: Flying Lotus.

Cro: Hätte ich nicht erkannt, aber hat was. Das kann man nebenher laufen lassen. Da bin ich gleich am Kopfnicken. So etwas mag ich, das hat etwas Eigenes. Odd-Future-crazy auf Elektro.

CLUESO – FREIDREHEN

Cro: Clueso. Dem glaube ich das, was er sagt. Der fühlt den Scheiß. Der transportiert das Gefühl. Clueso feiere ich.

KRAFTKLUB – WIE ICH

Cro: Casper oder Marteria? Nein, Kraftklub. Ich mag seine Stimme. Wäre ich Skater und würde Punkrock hören, dann wäre das mein Ding. Die Kleinigkeit, die mich stört, ist, dass es immer so ähnlich ist. Die ganzen Gummistiefel-Festival-Bitches mit ihrem Umhängewein feiern das trotzdem ab. Aber mit so einer Stimme und so einer Band im Rücken und so vielen Ideen würde ich mir von denen wünschen, dass sie verschiedenere Songstrukturen machen.

SBTRKT FEAT. EZRA KOENIG – NEW DORP. NEW YORK

Cro: Phoenix? Ah, Wombats. Nein, Vampire Weekend!

ME: Aber auch nur der Sänger. Dahinter steckt SBTRKT.

Cro: Geil. Die Stimme ist super. Der soll das unbedingt noch in 20 Jahren machen.

JAN DELAY – LIEBE

Cro: Cooler als das „Oh Jonny“-Zeug. Aber ich habe ihm auch die Funk-Dinger nicht übel genommen, weil man ihn einfach von früher liebt. Ich war fünf oder sechs, als er auf MTV war – da waren wir alle Beginner-Fans.

THEOPHILUS LONDON – TRIBE

Cro: Fett, das feiere ich! Es gab ein Video von ihm: Im Hotelzimmer, ein Model nackt im Bett, er sitzt da mit Micky-Maus-Pulli und Boxershorts und raucht – so wollten wir mich ursprünglich darstellen. Es gibt eigentlich nur zwei Gruppen von Leuten: die, die Dinge nur sagen, weil sie alle so sagen, und Leute wie Clueso oder Theophilus, denen glaubt man. Real und nicht real.

Zur Person:

Carlo Waibel wird am 31. Januar 1990 im baden-württembergischen Mutlangen geboren und ist als Rapper einige Jahre unter dem Alias Lyr1c aktiv, bevor er als Cro berühmt wird. Auf seinen ersten Mixtapes verwendet er Samples aus Bobby Hebbs „Sunny“ und „Jerk It Out“ von den Caesars – ein Ansatz, den er „Raop“ nennt, Rap und Pop. Mit dem gleichnamigen Album gelingt ihm 2012 der Durchbruch. Auch der Nachfolger MELODIE steigt auf Platz eins der deutschen Charts ein. Cros Markenzeichen ist eine Pandamaske, ohne die er so gut wie nie öffentlich auftritt.

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