Das Fest der Liebe

Auf die Idee, die hermetisch abgeschlossene Clubkultur quasi von innen nach außen zu stülpen, kam Dr. Motte im Sommer 1989. Anlässlich seines Geburtstages tanzten Motte und 150 Freunde auf dem Ku’damm 1989 einem einsamen LKW hinterher. In Berlin, wo sich Demonstranten schon mal gegenseitig auf die Füße treten, fiel das kleine Häufchen zunächst allenfalls durch den ungewöhnlichen Lärmpegel auf. Und weil jeder, der dabei war, beim nächsten Mal seinen Freundeskreis mitbrachte, waren es ein Jahr später schon 2.000 Besucher. Seitdem verdoppelte bzw. verdreifachte sich jedes Jahr die Besucherzahl: 1991 waren bereits 6.000,1992 rund 15.000 Raver auf den Straßen der Stadt unterwegs. Eine den neuen Bedürfnissen angepasste, straffe Organisation nebst flankierenden Partys und Gigs in den wichtigsten Clubs machte die Loveparade immer unwiderstehlicher. So unwiderstehlich, dass die Planetcom (Veranstalterder Loveparade, Anm. d. Red.) 1992 erstmals ein Plus verbuchen konnte. Prompt wurde der Name „Loveparade“ bundesweit als Warenzeichen angemeldet und 1994 auch international geschützt. 1993 liess sich die Zahl noch mal verdoppeln. Gleichzeitig fanden Partys in Melbourne, Tokio und London statt – ganz im Sinne der internationalen Botschaft, die transportiert werden sollte. Seit 1996 zieht derTross der Traumtänzer vom Brandenburger Tor bis zur Siegessäule. Rund 1,5 Millionen Gäste werden heuer zu dem Spektakel erwartet. Zusätzlich gibt es in diesem Sommer Parallel-Veranstaltungen in Wien (1.7.) und Leeds (8.7.). Die dortigen Partys firmieren unter dem „Loveparade“-Etikett. Nach Recherchen des Berliner Magazins „Zitty“ dürfen die örtlichen Veranstalter den Namen gegen zehnprozentige Beteiligung der Planetcom an den Einnahmen für ihre eigenen Umzüge nutzen.

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