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Das „Statement Festival“ diskriminiert angeblich mit „männerfreier“ Politik

Das schwedische „Statement Festival“ bezeichnet sich selbst auf seiner Website als „das erste große Musikfestival der Welt nur für Frauen, non-binäre Personen und Transgender-Personen“. Nun wurde das Festival für diskriminierend gegenüber Männern befunden.

Das selbsternannte „männerfreie“ Festival fand 2018 zum ersten Mal statt. Es wurde als Reaktion auf die Vorfälle beim schwedischen Bråvalla Festival 2017 ins Leben gerufen. Das Bråvalla Festival ist das größte Musikfestival Schwedens und fand 2018 nicht statt. Im Jahr zuvor hatte es 23 Anzeigen wegen sexueller Belästigung an dem drei Tage dauernden Festival gegeben. Drei der Übergriffe waren als Vergewaltigungen angezeigt worden.

Aufgrund der überhand nehmenden Übergriffe hatte der deutsche Veranstalter des Festivals, FKP Scorpio, das Festival für 2018 abgesagt. Die schwedische Radio-Moderatorin und Komikerin Emma Knyckare kündigte daraufhin auf Instagram ein Festival nur für Frauen an. Es folgte eine Crowdfunding-Kampagne, die eine Grundfinanzierung sichern sollte. Insgesamt wurden 500.000 schwedische Kronen (rund 52.000 Euro) gesammelt. Über 3300 Menschen spendeten Geld für Location, Security-Personal und Künstler*innen.

Kooperation

Vom 31. August bis 1. September 2018 fand das „Statement Festival“ schließlich zum ersten Mal statt. Das Line-up war beinahe zur Gänze weiblich und spiegelte damit das Publikum wider. Männer, die Tickets für das Festival erstanden hatten, wurden in einen eigenen Bereich nur für Männer geführt.

Umgekehrt gab es in den vergangenen Jahren auf diversen Festivals auch Bereiche nur für Frauen, wie etwa den „The Sisterhood”-Bereich beim Glastonbury. Diese dienten unter anderem dazu, einen sicheren, geschützten Bereich für Festivalbesucherinnen zu schaffen.

Schwedens Diskriminierungs-Ombudsmann Class Lundstedt befand nun, dass das „Statement Festival“ gegen die Anti-Diskriminierungs-Gesetze seines Landes verstoßen habe. Männer-feindliche Aktionen (wie etwa Abweisungen am Festivaleingang aufgrund des Geschlechts des Besuchers) konnten den Festivalorganisatoren allerdings nicht nachgewiesen werden. Der Gesetzesverstoß liegt laut einem Statement von Lundstedt bei den medialen „Statements, die vor dem Festival gemacht wurden“ und „was sie auf ihrer Website geschrieben haben“. Bestraft wird dies allerdings nicht.

Das Management des „Statement Festival“ reagierte auf Twitter zu diesem Urteil des Ombudsmannes: „Hallo Diskrimierungs-Ombudsmann! Es ist traurig, dass das, was 5.000 Frauen, nicht-binäre Personen und Transgender-Personen als lebensveränderndes Festival erlebt haben, ein paar Cis-Männer völlig austicken ließ. Der Erfolg des Statement Festivals ist genau, was wir brauchen, und das Urteil des Ombudsmannes ändert nichts daran. Ansonsten haben wir keine Kommentare dazu – wir sind damit beschäftigt, die Welt zu verändern.”


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