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Der Freitag beim Hurricane 2014: Casper kommt – Arcade Fire läuft das Publikum weg

Stellt euch vor, Arcade Fire kommen und kaum einer geht hin. Glaubt ihr nicht? Als am späten Freitagabend die kanadische Formation die Green Stage betritt, wird dieses unwahrscheinliche Szenario Realität. Frontmann Win Butler trägt seinen typischen Schwarz-Weiß-Anzug, seine Band fährt mit viel Pomp, Video-Visuals, Tänzern mit Pappmaché-Masken und einem Sänger, der sich immer wieder ins Publikum lehnt, einer der durchgestyltesten Performances des diesjährigen Festivals am Eichenring ab – doch was tut die Mehrheit der Festivalbesucher? Sie wandert ab in Richtung Blue Stage, hin zu einem deutschen Rapper namens Casper – er ist derzeit wohl der hippeste Musiker Deutschlands.

Auch wenn Arcade Fire sich in ihrer stoischen Professionalität nichts anmerken lassen wollen, erscheinen sie doch ein wenig genervt, ziehen ihre Show aber professionell bis zum obligatorischen Deutsch-Beatles-Cover „Ich Halte Deine Hand“ durch. Einzig der Konfetti-Regen fehlt bei einer Band, die sich in den letzten Jahren von ihrer melancholischen, leicht hysterischen Musik entfernt und zu straightem Discosound hin bewegt hat.

Währenddessen hätte man den Anfang von Casper auf der Blue Stage beinahe verpassen können – zumindest schienen im hinteren Drittel die Lautsprecher einseitig ausgefallen zu sein. Trotzdem kochte die zahlreich erschienene Menge – war ja nebenan noch kaum jemand bei Arcade Fire übrig. Mit „Ascheregen“ begann der deutsch-amerikanische Rapper seine Show und ließ seine Fans außer Atem tanzen. Zu „Hinterland“ gab es dann Wahnsinn und Feuerwerk, die Stimmung kochte, das Publikum schrie und tobte. An diesem Abend ist der Rapper mit Cap allerdings nur die Vorhut eines anderen großen HipHop-Stars aus Amerika. Wie Macklemore & Ryan Lewis auf der Blue Stage gleich nach dem vor allem beim jungen Publikum beliebten Casper, bei dem die Jungs und Mädels auch gerne mal ohne Rücksicht auf Verluste den ein oder anderen Festivalbesucher umrempeln, die Menge anheizt –  das ist aller Ehre wert.

Kooperation

Im Posen ist Macklemore Meister, er ruft die Festivalbesucher zum Mitmachen beim Arme-Hochheben auf und feiert sich und seine Bands mit endlos langen Ansagen bis zur völligen Unerträglichkeit in großem Maßstab selbst. Doch man wird den Eindruck nicht los, dass Macklemore alles darf, für alles gefeiert wird – solange er live auf der Bühne steht. Ob er sich 15 Minuten verspätet oder bereits eine Viertelstunde vor offiziellem Ende die Bühne verlässt. Ob sein völlig überhebliches, aber selbstsicheres Getue oder dass er Songs zweimal spielt – Macklemore & Ryan Lewis lassen sich feiern und werden gefeiert. Aber der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Menge tobt, singt Macklemore ein Ständchen zu seinem gestrigen 31. Geburtstag, tanzt und springt euphorisch und rastet mit Feuerwerk-Unterstützung auch beim wiederholten Mal von „Can’t Hold Us“ vollkommen aus.

Aber jetzt erstmal die Highlights des gestrigen ersten Tages des ausverkauften Hurricane Festivals in Scheeßel in chronologischer Reihenfolge:

Der Name war glücklicherweise nur in stimmungstechnischer Hinsicht Programm – Orkan, Gewitter und Wind blieben netterweise aus, auch wenn die Temperaturen um die 10-15°C der Jahreszeit mehr als nur spotteten. In dicken Fleece- und Windjacken, gut gelaunt und mit selbstgebastelten Tetra-Pack-Halterungen aus Gaffa-Tape über der Schulter wanderten die rund 70.000 Besucher zwischen den Bühnen herum, war das zahlreiche Programm ja immerhin zwischen ganzen vier Stages aufgeteilt. Zu den frühen Auftritten gehörten The Naked And Famous. Die Stimmung war so gelassen und vorfreudig, dass man sogar darüber hinwegsehen konnte, dass Sängerin Alisa Xayalith die Töne nicht so richtig traf. Stimmlich auch nicht ganz auf der Höhe waren Chvrches, die ein eher leises, wenig beachtetes Konzert gaben, was vermutlich am zeitgleichen, gut gelaunten Auftritt von Bombay Bicycle Club gelegen hat. Anschließend bildete Ex-Tomte-Frontmann Thees Uhlmann die Vorhut zu Casper und machte seine unerwartet große Fanbase glücklich. Das introspektive Nordlicht ließ die Menge harmonisch wogen und textsicher mitsingen – die Stimmung erreichte den Höhepunkt, als er mit „Schrei den Namen meiner Mutter“ einen Tomte-Hit aus vergangenen Tagen zum Besten gab.

Währenddessen durften Elbow als eine der wenigen Bands bei Sonnenschein spielen: Ihr Sänger sorgte sich wie gewohnt darum, ob auch alle Besucher mit Drinks ausgestattet seien,bevor er dann einer seinen traurig-melancholischen Hymnen zum Besten gab. Danach begeisterten The Kooks mit ihrem gefühlvollen Gute-Laune-Sound, wohl auch geschuldet dem hübschen Lockenkopf-Sänger, bevor alle die Bühne wechselten, um lieber Casper als Arcade Fire ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Heute darf man sich mit den Pixies, Interpol, Volbeat, Lykke Li, Belle & Sebastian, Moonbootica, Tom Odell und The Wombats auf zahlreiche weitere hochkarätige Acts freuen. Weitere Tagesberichte veröffentlichen wir in den folgenden Tagen, am Dienstag erscheint außerdem noch ein Gesamtrückblick auf das Hurricane 2014.


Arcade Fire wollen dieses Jahr einen neuen Song veröffentlichen
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