Doppelkopf

Zu alt, zu fett, zu intelligent: Den jugendlichen Ehrentitel „Teenager Of The Year“ kann Ex-Pixie Frank Black getrost in den Wind schreiben. Daß er mit seinem ironisch betitelten Album ein Meisterstück zeitgenössischer Popmusik abgeliefert hat, dürfte den vollschlanken Freigeist über die Versagung eines Teenie-Preises jedoch locker hinwegtrösten. Frank Black gibt sich souverän – auf „Teenager Of The Year“ als stilistischer Gratwanderer, auf der Bühne als intensives Kraftpaket.

Den „Arapaho“-Club in Paris – dort gehen seine Test-Gigs für die aktuelle Tour über die Bühne – entert Black mit einer abgespeckten Live-Besetzung, die keine Wünsche offen läßt. Die mitunter komplexen Studio-Arrangements büßen live nur wenig von ihrer Vielschichtigkeit ein. Gerade Gitarrist Lyle Workmans differenzierte Saitenarbeit verschafft Blacks verkapptem Art-Rock den nötigen Kick: Das Publikum taut auf, der kleine Dicke belohnt es mit einer stetig wachsenden Spielfreude, die bereits den Test-Gig zum Vollwert-Konzert avancieren läßt.

Als dann die aktuelle Single-Auskopplung „Headache“ den Raum füllt, platzt bei den knapp 400 feuchten Parisern – vor dem Club regnet es in Strömen, vor der Bühne herrschen tropische Temperaturen – endgültig das Stimmungs-Reservoir: Black findet mit seinem „Best Of“-Programm die richtige Mischung aus purer Energie und lakonischer Melodik, aus elektrifizierender Schweinerock-Mentalität und akustischer Nüchternheit.

Der druckvolle Gruppensound gefällt, Blacks unprätentiöses, charmantes Auftreten weckt Sympathien.Dreh- und Angelpunkt bleiben jedoch seine grandiosen Songs: mit das Beste, was das Musikjahr 1994 bislang zu bieten hatte. Umso bedauerlicher, daß Frank Black in Deutschland nur drei Club-Dates wahrnimmt. Tröstlich für alle Open-Air-Fans: Beim „Go Bang“ – Festival in Wildenrath ist Black mit von der Partie – gemeinsam mit Soundgarden, Arrested Development und den Red Hot Chili Peppers.

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