Spezial-Abo
🔥Xavier Naidoo im Interview: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“

Interview

Dream Wife im Interview: „Frauen müssen davon erzählen, wo die Klippen des Alltags liegen“

Rakel, du bist zum Ausbruch der Pandemie in dein Elternhaus nach Island gereist, wie nimmst du die Zeit dort wahr?

Rakel: Wir haben in Island eine vergleichsweise entspannte Situation, da die Zahl der Infizierten nie sehr hoch war. Die Lockdowns wurden rasch gelockert, der Insel fehlen zwar die Touristen, dafür sind alle Isländer*innen zu Hause, was sonst nie der Fall ist. Der Strand hier im Westen der Insel ist daher bei gutem Wetter voller als sonst.

Alice und Bella, Ihr seid in London – und dort ist die Lage anders.

Alice: Ja, und zwar ziemlich ernüchternd. Der Lockdown wirkt wie ein Schleier, der über der Stadt liegt, er verändert London grundlegend, denn diese Stadt ist ja ohne Begegnungen und Touristen gar nicht vorstellbar.

Bella: Wir haben uns daher eine Art Sub-Community eingerichtet: Bei uns im Haus ist eine Gemeinschaft entstanden, in der wir eigene Rituale entwickelt haben. Dazu zählen zum Beispiel private Dance-Partys rund ums Lagerfeuer, wobei hier natürlich nur die Leute aus dem Haus dabei sind.

Rakel: Ja, man muss sich die Höhepunkte auf eigene Faust organisieren. Bei mir ist es die Tasse Tee am Abend. (lacht und nippt am Tee)

Ihr habt gesagt, die Quarantäne würde sich ein wenig anfühlen, wie die Zeit, wenn man nach einer langen Tour zurück nach Hause kommt. Wo liegen da die Gemeinsamkeiten?

Rakel: Der Zustand ist vergleichbar, weil sich von jetzt auf gleich die Anzahl und die Intensität der Kicks verändern, die wir erleben. Auf Tour braucht man viel Geduld, um von Ort zu Ort zu reisen, aber dann ist da diese Zeit auf der Bühne. Auf diese Stunde läuft alles hinaus, was man den ganzen Tag lang tut. Ist die Tour vorbei, gibt es dieses Highlight nicht mehr. Die Struktur des Tages verändert sich, man lebt vielleicht ein wenig zielloser. Ganz Ähnliches beobachte ich jetzt auch in dieser Pandemie-Zeit.



Ex-Liquido-Sänger Wolfgang Schrödl im Interview: „Von 'Narcotic' kann ich bis heute leben“
Weiterlesen