Spezial-Abo

Filmrezension INGLORIOUS BASTERDS

von

Sind wir doch mal ehrlich: Wann hatten wir zuletzt eine solch starke Kino-Saison? Michael Mann zelebriert im Gangster–Drama PUBLIC ENEMIES großes Hollywood-Kino der alten Schule, Kate Winslet brilliert im VORLESER, Danny Boyle zeigt mit SLUMDOG MILLIONAR seinen besten Film seit TRAINSPOTTING, Sam Mendes mit ZEITEN DES AUFRUHRS seinen besten seit AMERICAN BEAUTY und David Fincher mit DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON seinen besten seit FIGHT CLUB. Und was fehlt da dem eingeschworenen Cineasten noch zu seinem Glück? Richtig, der beste Film von Quentin Tarantino seit…äähm…sagen wir mal PULP FICTION. Aber nicht so hastig, lassen wir INGLORIOUS BASTERDS mal eben auf uns wirken, denn nach dem Kinobesuch ist man erstmal platt, ob diesem völlig irren Szenario, das sich da eben vor einem abgespielt hat: Die Basterds machen Jagd auf Nazis, indem sie selbige ihrer Kopfhaut entledigen. Des Weiteren sehen wir die junge Französin Shosanna Dreyfus, die nach unguten Erfahrungen mit der SS denen nicht unbedingt wohl gesonnen ist und darüberhinaus ein Kino umtreibt. In diesem soll die Premiere des neuen Göbbels-Films stattfinden, was sowohl sie als auch die Basterds auf den Plan ruft. Unabhängig voneinander wird ein Attentat auf die nationalsozialistische First-Class geplant. Soweit der Plott. Til Schweiger ist passend besetzt als wortkarger Sgt. Hugo Stiglitz. Man möchte ihn nie wieder in einer anderen Rolle sehen, glaubt gar, ihn hier endlich richtig in Szene gesetzt zu erleben. Eben von Tarantino, der immer schon ein Händchen für seine Darsteller hatte. Dass Daniel Brühl dabei sein darf, bereichert den Film. Man gönnt ihm Hollywood und freut sich, ihn jetzt unter Tarantino so engagiert aufspielen zu sehen. Bratt Pitt macht einen guten Job als Lt. Aldo Raine. War nicht anders zu erwarten. Doch das ganze Ensemble – inklusive letztgenanntem- wird von einem Mann an die Wand gespielt, den man gerade wirklich nicht auf der Rechnung hatte. Man hat schon viel darüber gelesen und gehört, jetzt darf man sich selbst davon überzeugen: Der Österreicher Christoph Waltz beherrscht den Film und schmeißt den Laden quasi im Alleingang. Wenn er die Leinwand betritt, wird dies zu einer, zu SEINER, One-man–Show. Der SS-Standartenführer Hans Landa formuliert so präzise, wie er seinen Job erledigt. Ein kultiviert auftretender Rhetoriker und abgründiger Dämon zugleich. Er ist der vielleicht beste Hollywood-Schurke seit Hannibal Lector, neben Heath Ledgers Joker aus dem letzten Jahr versteht sich. Und die Handlung? Sehr verstrickt, unerwartete Wendungen, wahnwitzige Dialoge. Noch etwas Kritik gefällig? Man hätte sich etwas weniger Gewaltszenen in Großaufnahme und etwas mehr überlebende Hauptdarsteller gewünscht. Aber damit muss man wohl einfach leben, wenn man sich mit diesem Regisseur einlässt. Es zu kritisieren, hieße vermutlich auch, Metallica wegen zu lauter Gitarren an den Pranger zu stellen. Also insgesamt dann tatsächlich: der beste Tarantino seit PULP FICTION.Mindestens.



Frank Elstners Netflix-Talk „Wetten, das war's?“: Klassen- und Generationentreffen der TV-Unterhalter*innen
Weiterlesen