Foo Fighters: Was für Rufus Taylor als neuen Drummer nach Taylor Hawkins‘ Tod spricht – und was nicht

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Für Dave Grohl ist es rund 28 Jahre nach dem Tod von Kurt Cobain, mit dem er bei Nirvana spielte, bereits der zweite große Verlust in seiner Karriere als Musiker. Mit dem stecken die Foo Fighters selbst inmitten der wohl größten Zäsur ihrer Geschichte: Im März 2022 starb ihr Drummer Taylor Hawkins überraschend in einem Hotelzimmer im kolumbianischen Bogotá im Alter von 50 Jahren, hier unser Nachruf. Ihre Zukunft stand danach vorerst in den Sternen. Im September veranstalteten sie zwei riesengroße Tribut-Shows in London und Los Angeles, danach würde man weitersehen. Gitarrist Chris Shiflett deutete neue Musik vage an. Zum Jahreswechsel dann die offizielle gute Nachricht: Ja, die Foo Fighters wollen als Band weitermachen, auch wenn sie ohne Hawkins nie mehr die gleichen sein würden. Erste Festival-Auftritte wurden bestätigt, bloß eine Frage ist noch offen: Wer soll und kann und darf den Platz vom eigentlich unersetzbaren Taylor Hawkins einnehmen?

Bei den Tribut-Shows bekamen die Foo Fighters unter anderem Live-Unterstützung von Travis Barker (blink-182), Lars Ulrich (Metallica), Stewart Copeland (The Police), Studio- und Livedrummer Josh Freese (Vandals, Sting, A Perfect Circle, Nine Inch Nails, Paramore, Weezer) und Omar Hakim (David Bowie, Madonna, Kate Bush, Daft Punk u.v.m.). In den vergangenen Monaten kristallisierten sich die folgenden Namen, die auch in London und Los Angeles am Start waren, als ernsthaftere potentielle Kandidat*innen für die Nachfolge von Taylor Hawkins heraus:

Shane Hawkins

Shane Hawkins ist der mittlerweile 17-jährige Sohn von Taylor Hawkins. Er trommelt wie sein Papa, er hat die gleiche Energie, und er sorgte durch seinen Gastauftritt bei den Tribut-Konzerten für den bewegendsten Moment eines an bewegenden Momenten nicht armen Abends: Gemeinsam mit den Freunden und Bandmitgliedern seines Vaters trommelte er zum Foo-Fighters-Hit „My Hero“ und dessen Zeilen „There goes my hero, watch him as he goes“. Mehr Verneigung und mehr Gänsehaut geht nicht. Kein Wunder, dass Fans am liebsten ihn als Nachfolger seines Vaters hinterm Drumset bei den Foo Fighters sehen würden. Bloß: Der Gute ist noch nicht mal volljährig, ein Full-Time-Job als Drummer einer der größten Rockbands der Welt dürfte ihn in dem Alter auf Dauer eher erschöpfen als erfüllen. Und wenn wir durch den Tod von Taylor Hawkins eine Sache gelernt haben, dann hoffentlich die, dass Stress und mentale Gesundheit unbedingt und rechtzeitig ernst genommen werden müssen.

Nandi Bushell

YouTube-Star Nandi Bushell gilt als Wunderkind des Rocks: Die in Südafrika geborene britische Teenagerin sorgte vor zwei Jahren erstmals international für Aufsehen, nachdem ihre Videos viral gingen. Darin trommelte sie berühmte Rock- und Popsongs von zum Beispiel MuseMetallicaQueens Of The Stone Age und Coldplay nach, und das teilweise so beeindruckend gut, dass auch die Rockstars selbst auf die damals Zehnjährige aufmerksam wurden: So sah etwa Dave Grohl ihre Version von Nirvanas „In Bloom“ und zeigte sich begeistert. Daraufhin spielte sie den Foo-Fighters-Hit „Everlong“ nach und forderte Grohl zu einem Duell heraus. Der nahm an, es entwickelte sich eine Art Freundschaft, die jüngst darin gipfelte, dass Bushell beim Tribute-Konzert für Hawkins teilnehmen durfte. Auch sie wäre eine von vielen gern gesehene Kandidatin für den vakanten Posten bei den Foo Fighters. Bloß: Bushell ist noch jünger als Shane Hawkins, eine Festanstellung in einem gigantischen Touring-Tross wie dem der Foo Fighters dürfte und sollte keine ernsthafte Option für die Zwölfjährige sein.

Dave Grohl himself

Dass Dave Grohl der eigentlich perfekte Drummer für die Foo Fighters ist, dürfte außer Frage stehen: Das Debüt seiner Post-Nirvana-Band nahm er 1995 im Alleingang auf. Für den Nachfolger THE COLOUR AND THE SHAPE saß der noch während der Aufnahmen geschasste William Goldsmith hinterm Schlagzeug, Grohl spielte dessen Spuren selbst neu ein. 1997 stieg Taylor Hawkins, davor Live-Drummer für Alanis Morissette, ein – und blieb. Grohl tobte sich an den Drums in der Vergangenheit unter anderem mit Probot und Them Crooked Vultures aus. Dass er bei künftigen Studioaufnahmen der Foo Fighters neben Gitarre und Gesang wieder selbst seinen ursprünglichen Posten einnimmt, erscheint zwar nicht unwahrscheinlich. Live aber kann das nicht funktionieren. Die Band braucht ihr Aushängeschild am Mikrofon und in der ersten Reihe.

Rufus Taylor

Rufus Taylor trat schon durch seine Geburt in unfreiwillig große Fußstapfen: Der heute 31-Jährige ist der Sohn von Queen-Drummer Roger Taylor, wurde ebenfalls Schlagzeuger und spielt als solcher seit 2015 in der britischen Glamrock-Band The Darkness sowie live bei Queen + Adam Lambert mit – die Formation, in der die damaligen Queen-Mitglieder auch ohne ihre verstorbene Gesangslegende Freddie Mercury gemeinsam auf Tour gehen. Hier kommt viel Gutes zusammen: Taylor Hawkins und Rufus Taylor waren enge Freunde, Hawkins ein riesengroßer Queen-Fan, der auf Konzerten mit den Foo Fighters oftmals „Another One Bites The Dust“, „Under Pressure“ oder „Somebody To Love“ auch als Sänger coverte.

Naheliegend, dass Rufus Taylor ebenfalls bei den Tribut-Konzerten auftrat, in Wembley spielte er mit den Foo Fighters „Best Of You“ und „These Days“. Es gibt keine perfekte Besetzung für die Nachfolge eines Unersetzbaren. Aber wenn ihr einer nahe käme und dies auch realistisch erschiene, dann wäre das wohl Rufus Taylor. Der einzige Nachteil: Aus der Ferne sieht er mit seinen langen blonden Haaren, den ärmellosen Shirts und seinem oft nach vorne oder unten gebeugten Spiel sogar wie Taylor Hawkins aus.


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