„Kingsman: The Golden Circle“-Kritik: Eine Fingerübung mit göttlicher Kamera

Das hier ist ein Matthew-Vaughn-Film, merkt man sofort. Gleich zu Beginn geht es rein in eine ausgedehnte Action-Sequenz, die brutal ist und brutal schnell geschnitten wurde. Und dass Eggsy (Taron Egerton) aus der Frischlingsnummer mit den Zufallstreffern herausgewachsen ist, wird auch sofort klar. Er prügelt und kickt sich mühelos durch Londons Nachtleben. So weit, so routiniert. Aber was hier die Matthew-Vaughn-Note ausmacht, ist die Innovation im Mainstream-Kino.

Die Geschichte ist enttäuschend schnell erzählt: Nachdem ein Großteil der Kingsman durch Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore) ausgelöscht wurde, verbünden sich Eggsy und Merlin (Mark Strong) mit der amerikanischen Geheimorganisation, den Statesman (zu denen u.a. Jeff Bridges, Channing Tatum und Pedro Pascal gehören). Gemeinsam wollen sie nun Poppy das Handwerk legen. Die hat aber wiederum dank der Drogen, die sie weltweit vertickt, eine extrem große Macht – und will schließlich sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten in die Knie zwingen.

Wir bewundern die Sets, nicht die Schauspieler

Das Besondere bei „Kingsman“ ist also bestimmt nicht die Story an sich, sondern wie Vaughn sie zu erzählen weiß. Bei ihm stellt sich immer auch die Kamera als Protagonist heraus. Dieses Mal sogar noch mehr als je zuvor. Sie zeigt uns erst das Glastonbury Festival aus einer imposanten Vogelperspektive, nur um dann kurz darauf mit Eggsy auf eine äußerst intensive Erkundungstour bei einer Mittelsfrau (gespielt von Poppy Delevingne) zu gehen – bis wir uns in ihrem Schritt und dann in ihrer Blutlaufbahn befinden. Klingt bizarr und ist es auch. Aber eben diese Kamerafahrten machen die Spionagearbeitum einiges spannender.

Ein weiterer Pluspunkt für den Film sind die extravaganten Sets und Locations. Julian Moores Poppy wird an sich nicht viel Spielzeit eingeräumt, aber sie prägt das Image des Actioners maßgeblich. Aufgrund ihres Faibles für die 50er-Jahre hat sie sich mitten im Dschungel-Nirgendwo ein Städtchen mit Oldschool-Kino, Bowlingbahn und Diner aufgebaut. Sobald dort gemetzelt wird, wirkt das allein durch die quietschbunte Staffage herrlich überhöht.

Elton John im Federkostüm

Taron Egerton als Eggsy.

Durch die vordergründige Kamera sowie die sich aufdrängenden Kulissen schafft Matthew Vaughn Relevanz im Gedränge von Actionfilmen. Aber ist „Kingsman 2: The Golden Circle“ deshalb ein guter Film? Es ist schon schwer, der recht beliebigen Liebesgeschichte von Eggsy mit seiner Prinzessin Tilde (Hanna Alström) zu folgen. Und die Kooperation mit den Statesman, die die ganze Zeit nur Whiskey in sich hineinschütten wollen, entpuppt sich auch als eine absolute Klischeeaneinanderreihung. Die über zwei Stunden Laufzeit wurden sicherlich nicht für irgendeine Charakter- oder Storytiefe gebraucht. Nein, die dienen hauptsächlich der Präsentation der geilen neuen Waffen der Geheimorganisation. Ach und um Elton John immer wieder komisch-peinliche Gastauftritte im Federkostüm zu erlauben.

Die Fortsetzung bleibt also ein zwiespältiges Vergnügen. Wer gerne Videospiele daddelt und an die Optik und das Storytelling des Mediums gewöhnt ist, der wird sich von „Kingsman 2“ problemlos unterhalten fühlen. Doch irgendwie macht sich das Gefühl breit, Vaughn hätte noch nicht sein volles Potential ausgeschöpft. Allein, wie er Poppys Denkweise erklärt, dass alle Drogen so legal wie Alkohol und Zigaretten sein sollten, ist im Ansatz extrem interessant. Er schafft oft allein in einer Szene gleich mehrere Themen abzuhandeln – das ist große Kunst und macht deutlich, was er für ein Könner der Regisseur ist. Aber genau deshalb wirkt dieser zweite Teil eher wie eine Fingerübung für ihn. Einfach nur Colin Firth wie durch ein Wunder wieder auf den Plan zu rufen, reicht da nicht aus, um die Zuschauer vollends zu befriedigen.

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