Spezial-Abo

„Kingsman: The Golden Circle“-Kritik: Eine Fingerübung mit göttlicher Kamera

Das hier ist ein Matthew-Vaughn-Film, merkt man sofort. Gleich zu Beginn geht es rein in eine ausgedehnte Action-Sequenz, die brutal ist und brutal schnell geschnitten wurde. Und dass Eggsy (Taron Egerton) aus der Frischlingsnummer mit den Zufallstreffern herausgewachsen ist, wird auch sofort klar. Er prügelt und kickt sich mühelos durch Londons Nachtleben. So weit, so routiniert. Aber was hier die Matthew-Vaughn-Note ausmacht, ist die Innovation im Mainstream-Kino.

Die Geschichte ist enttäuschend schnell erzählt: Nachdem ein Großteil der Kingsman durch Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore) ausgelöscht wurde, verbünden sich Eggsy und Merlin (Mark Strong) mit der amerikanischen Geheimorganisation, den Statesman (zu denen u.a. Jeff Bridges, Channing Tatum und Pedro Pascal gehören). Gemeinsam wollen sie nun Poppy das Handwerk legen. Die hat aber wiederum dank der Drogen, die sie weltweit vertickt, eine extrem große Macht – und will schließlich sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten in die Knie zwingen.

Wir bewundern die Sets, nicht die Schauspieler

Das Besondere bei „Kingsman“ ist also bestimmt nicht die Story an sich, sondern wie Vaughn sie zu erzählen weiß. Bei ihm stellt sich immer auch die Kamera als Protagonist heraus. Dieses Mal sogar noch mehr als je zuvor. Sie zeigt uns erst das Glastonbury Festival aus einer imposanten Vogelperspektive, nur um dann kurz darauf mit Eggsy auf eine äußerst intensive Erkundungstour bei einer Mittelsfrau (gespielt von Poppy Delevingne) zu gehen – bis wir uns in ihrem Schritt und dann in ihrer Blutlaufbahn befinden. Klingt bizarr und ist es auch. Aber eben diese Kamerafahrten machen die Spionagearbeitum einiges spannender.


An dieser Stelle findest du Inhalte von YouTube

Um mit Inhalten von YouTube zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.
Socials aktivieren

Ein weiterer Pluspunkt für den Film sind die extravaganten Sets und Locations. Julian Moores Poppy wird an sich nicht viel Spielzeit eingeräumt, aber sie prägt das Image des Actioners maßgeblich. Aufgrund ihres Faibles für die 50er-Jahre hat sie sich mitten im Dschungel-Nirgendwo ein Städtchen mit Oldschool-Kino, Bowlingbahn und Diner aufgebaut. Sobald dort gemetzelt wird, wirkt das allein durch die quietschbunte Staffage herrlich überhöht.

Elton John im Federkostüm

Taron Egerton als Eggsy.

20th Century Fox


Christoph-Kolumbus-Statue in Minnesota soll durch Prince-Denkmal ersetzt werden
Weiterlesen