Leben im Moment mit Florence + The Machine – der Freitag beim Tempelhof Sounds 2022

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Die Vorfreude ist spürbar, als sich Freitagmittag beim Tempelhof Sounds in Berlin die Tore öffnen: Die ersten Festivalgäste strömen auf das mit Liebe zum Detail ausgestattete Gelände, um Food-Stände, Merch und Bühnenbereiche zu erkunden. Lange dauert es nicht, da starten schon Bilbao ihre Performance und läuten das Wochenende mit eingängigen Pop-Melodien ein.

Bei Eis und fruchtigen Cocktails, einem kühlen Bier und Snacks wandeln die Gäste entspannt zwischen den darauffolgenden Acts wie My Ugly Clementine, Trixie Whitley und Balthazar umher. Einige von ihnen relaxen in Campingstühlen, andere schützen sich vor Nachmittagssonne unter den bereitgestellten Sonnenschirmen. Von dort aus kann man entspannt sitzen und essen, ohne sich aus dem Festival-Trubel zurückziehen zu müssen oder einen Act zu verpassen. Für Sleaford Mods zieht es dann aber doch besonders viele vor die Stage, denn das wütend-poetische Set im East-Midlands-Dialekt der Post-Punk-Elektroniker möchten sich nur wenige entgehen lassen.

The Libertines: So frei wie nie

Pete Doherty (The Libertines)

Das Adjektiv, das man früher als Letztes mit den Libertines in Verbindung gebracht hätte – professionell! – fällt einem nach ihrem Auftritt am frühen Freitagabend als Erstes ein. Exakt um halb sieben beginnen sie die Show. Ein undankbarer Slot natürlich, zumal für eine Rockband, der die Nacht und die Scheinwerfer besser stehen als Sonne und Tageslicht. Nach dem temporeichen Einstieg („What a Waster“ und „Up the Bracket“ schnell hintereinander) passen sie sich also dem eher gemächlichen Vibe des Publikums an und spielen Midtempo-Stücke wie „What Katie Did“ oder das schöne „You’re My Waterloo“. Pete Doherty singt so souverän wie seit Jahren nicht, seine Lead-Parts klar und aufrichtig; seine Harmonien reichert er mit hübschen Spielereien an. Eine einfallsreiche, schöne Performance, die zu dem starken Album passt, das er in diesem Frühjahr veröffentlicht hat.

In der zweiten Hälfte dann die großen, noch größeren Songs: „Can’t Stand Me Now“, „Horrorshow“ und – als finalen One-Two-Punch – „Time for Heroes“ und „Don’t Look Back Into the Sun“. Die Sonne ist noch immer nicht untergegangen, es ist eigentlich zu früh für diese Lieder, aber sie funktionieren trotzdem, sie sind unsinkbar, und jetzt zeigt das Publikum auch Energie, tanzt in Moshpits. Dann ist es vorbei, die Band verbeugt sich Arm in Arm und verlässt die Bühne, pünktlich um halb acht.

Sogleich ertönt es links folkig: Mighty Oaks stimmen ihr Set an und zeigen sich nach knapp einer Stunde dankbar für die vielen Besucherinnen und Besucher, die sich vor ihrer Bühne tummeln, um mitzusingen. Rechts dagegen verdunkeln düstere Klänge den lauen Sommerabend: Molchat Doma eröffnen ihre Performance mit einem Hauch Gothic-Ethos, der auch den Berlinerinnen und Berlinern, die in bunter Partymontur zum Festival erschienen sind, zusagt.

Bei Florence + The Machine werden Festival-Erinnerungen geschrieben

Während die Sonne nun langsam hinter dem Flughafengebäude verschwindet, ist es Zeit für Florence + The Machine. Als Meisterin epischer Auftritte schreitet Florence Welch in einer fließenden Spitzenrobe auf die Bühne und bringt damit blumenbekronte Anhängerinnen in den ersten Reihen zum Wimmern. Barfuß tänzelt und sprintet Welch in den kommenden anderthalb Stunden über die Bühne. „I am no mother, I am no bride, I am king“ – daran besteht heute Abend kein Zweifel.

 

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Für „Dog Days Are Over“ führt sie das Publikum mit vielen „First-Timers“ in ein Ritual ein, das auf ihren Shows bereits Tradition hat: Smartphones bitte in die Hosentasche, den Nebenstehenden sagen, wie sehr man sie liebt und diesen Moment, insbesondere nach allen Geschehnissen der letzten Monate, einfach voll auskosten. Das lassen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich nun fast vollständig vor und rund um die Hauptbühne eingefunden haben, nicht zweimal sagen und tanzen, bis mit den Zugaben „Shake It Out“ und „Rabbit Heart“ ein rundum gelungener Freitag zu Ende geht.

Seht hier unsere Festival-Fotos vom Freitag.

+++Dieser Artikel erschien zuerst auf rollingstone.de+++


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