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Kritik

„Logan – The Wolverine“: Wenn große Ambitionen im Blutbad untergehen

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Regisseur James Mangold kann sich ab sofort dafür feiern lassen, den mit Abstand besten Wolverine-Film aller Zeiten gedreht zu haben. Allerdings ist das auch nicht besonders schwer, waren doch die zwei vorherigen Filme – einer davon auch von Mangold – tiefer als unterklassig.

Wolverine heißt jetzt wieder Logan, das ist sein richtiger Name. Denn das letzte Abenteuer des mit Krallen ausgestatteten Mutanten soll ein persönliches werden. Der Plan geht auf: In einer nahen Zukunft, die genauso aussieht wie unsere Gegenwart, schleppt sich der stolze Krieger täglich über die amerikanisch-mexikanische Grenze. Professor X, auch so eine Comic-Legende, liegt im Sterben, Logan treibt als Limousinenfahrer Geld für Medikamente auf. Die X-Men gibt es lange nicht mehr, Wolverine bleibt nur der Lebensinhalt als Pfleger und der Suff.

Feierte Weltpremiere auf der Berlinale: „Logan“.

Irgendwann platzt ein kleines Mädchen in sein Leben. Seine Tochter, was der Film aber peinlicherweise lange geheim halten will. Sie hat seine Fähigkeiten: Selbstheilung und ein Metallskelett, dazu irre Reflexe und keine Angst davor, Menschen zu zerfetzen. Sie ist der perfekte Soldat, flieht aber vor ihren Häschern und gibt Logan und Professor X nun einen letzten Lebensinhalt. Via Indie-angehauchtem Roadtrip soll sie an einen Zufluchtsort eskortiert werden.

Erst im achten Film wird die Figur Logan interessant

„Logan“ hat viel Schönes. Den staubigen Look natürlich, dazu den Umstand, dass der Titelheld kein Held mehr ist, sondern ein Wrack, für das es auf der Welt keine Verwendung mehr gibt. Und als Krönung diese ab der ersten Minute über allem schwebende Gewissheit, dass dies der letzte Film ist, in dem Hugh Jackman den knurrigen Mutanten gibt.

Mangolds Film zeigt die Reise vom existenziellen ins physische Grab. Und Spoiler-sensible Marvel-Fans, die an dieser Stelle aufschreien, haben in den vergangenen 50 Jahren anscheinend keine anderen Filme gesehen. Denn die Gewissheit, dass Jackmans Interpretation der ikonischen Comic-Figur, die tatsächlich erst mit diesem Film (immerhin der achte Auftritt der Figur) eine gewisse Ambivalenz entwickelt, mit „Logan“ ein Ende findet, schwebt von Anfang an mit.

Der Abgang gelingt. Hätten die vorherigen X-Men-Filme die Tonalität, die nun in etwas zu langen über zwei Stunden regiert, dann wäre das Genre Superheldenfilm weniger verlacht. Auch wenn Mangold einige Szenen nicht besonders geschickt umsetzt, versucht er sich zumindest an gehaltvollen Dialogen und lässt den Zuschauern manchmal Raum für Interpretation – ein absolutes Novum in einem Sub-Genre, in denen Filmstudios ihr zur blinden Gefolgschaft heran gezüchtetes Publikum maximal nach Querverweisen zu anderen Filmen und Cameos suchen lassen.

„Logan“ verwechselt blutig mit erwachsen

Neben griffigem, im Genre unverbrauchten Stil, wird sich „Logan“ auf die Fahne schreiben lassen können, dass es der erwachsenste Superheldenfilm sei. Allerdings liegt hier eine folgenschwere Verwechslung vor, die ihren Ursprung wohl in den Sehgewohnheiten des US-Publikums hat. „Logan“ hat dort ein R-Rating bekommen, was bedeutet, dass der Film Nacktheit, Blut und vulgäre Sprache benutzen kann. Vorbei also die Zeiten, in denen ein 13-Jähriger unbegleitet seinen Helden auf der Leinwand bestaunen darf.

Der letzte Wolverine-Film soll sich also an ein erwachsenes Publikum richten. Leider nutzt Regisseur Mangold diese neue Kernzielgruppe nicht, um sie mit einem ausgeklügelten Plot oder ehrlich vorgetragenen moralischen Abgründen der Figuren (die ja allesamt etliche Menschen auf dem Gewissen haben) zu konfrontieren. Erwachsen heißt hier: Blut, abgetrennte Köpfe, noch mehr Blut.

Wolverine und das ihm anvertraute Mädchen Laura (Dafne Keen) sowie Patrick Stewart wären sichtbar zu mehr Charakterentwicklung fähig gewesen, als es der Film ihnen letztendlich abverlangt. Doch nach einem sehr starken ersten Akt entscheidet sich Mangold bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Gewaltexzesse, was dann wohl besonders erwachsen sein soll.

Ist es aber nicht. Durch ein Köpfe abtrennendes Kind befriedigt „Logan“ höchstens den Kunstblutdurst pubertierender Männer. Etwas von dem Fleiß, der auf die Inszenierung von Gemetzel verwendet wurde, hätte in die Entwicklung einer weniger vorhersehbaren Geschichte fließen sollen. Dann wäre „Logan“ vielleicht sogar ein fulminanter und nicht nur ein guter Abschied von der Figur Wolverine geworden.


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