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Leseliste

Musik, die zu Literatur wird: Was Autoren hören, wenn sie schreiben

„The Electric Kool-Aid Acid Test“ von Tom Wolfe

Ein bunter Bus, ein Haufen Hippies und die Legende Neal Cassady als Fahrer, voll auf Speed. Ach ja, und Riesenmengen an LSD, die bei den „Acid Tests“ zum Einsatz kamen.

Die „Acid Tests“, das waren Partys, bei denen Leute zusammen kamen, um ihr Bewusstsein kollektiv zu erweitern. Auch wenn nicht immer allen Gästen klar war, was sie da gerade in Form von Kool-Aid zu sich nahmen. „Test“ also eher im Sinne von „schauen wir mal was passiert“.

Der Journalist Tom Wolfe hat die Geschichte der Hippiegruppe um den Autor und Acid-Guru Ken Kesey aufgeschrieben und damit den New Journalism mit begründet. Eine Band spielt in dem Buch eine besondere Rolle: Für die musikalische Untermalung bei den „Tests“ sorgten damals The Grateful Dead, die eine Zeit lang gemeinsam mit der Gruppe um Ken Kesey durchs Land zogen und mehrmals in dem Buch auftauchen.

Kooperation

Tom Wolfe – „The Electric Kool-Aid Acid Test“. Erschienen bei Heyne. 560 Seiten.

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„Trainspotting“ von Irvine Welsh

Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass der großartige Film auf einem noch viel großartigeren Buch beruht. Mit der Geschichte über eine Gruppe heroinsüchtiger Jugendlicher gelang Irvine Welsh, der zuvor sein Glück als Gitarrist einer Punkband versucht hatte, der große Durchbruch als Autor. 1993, dem Erscheinungsjahr des Buches, überschlugen sich die populären Medien geradezu vor Lob. So nannte Rebel Inc. den Roman „Das beste Buch, das je von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde… davon sollten mehr Kopien verkauft werden, als von der Bibel“.

Der englische Originaltext ist im schottischen Dialekt gehalten, welchen Welsh phonetisch übertragen hat. Beim Lesen ergibt sich so ein ganz, nun ja, besonderer Effekt. Diese Außergewöhnlichkeit,  sowie die kluge Betrachtungsweise des nihilistischen Erzählers, sind nicht der einzigen Gründe, die dieses Buch zu einem pop-literarischen Klassiker machen. Welshs musikalische Affinität zeigt sich dadurch, dass das Buch mit Lyrics von David Bowie bis Iggy Pop gespickt ist. Das macht Lust, sich die Songs während des Lesens noch einmal genauer anzuhören.

Irvine Welsh – „Trainspotting“. Erschienen bei Heyne. 401 Seiten.

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„Swing Time“ von Zadie Smith

„Wenn sich die Musik verändert, verändert sich auch der Tanz“,  so beginnt Zadie Smiths Roman „Swing Time“. Smith erzählt die Geschichte einer komplizierten Freundschaft zwischen zwei Mädchen, die beide aus Familien mit jeweils einem schwarzen und einem weißen Elternteil kommen. Sie schreibt von Rassismus, Ausgrenzung, Solidarität und Musik als verbindendes Element zwischen den Menschen. Smith entlarvt dabei mit einem scharfen Witz viele rassistische Mechanismen in der Popkultur und setzt sich unter anderem mit kultureller Aneignung auseinander, ohne moralisierend zu werden.

Begleitet wird die Suche der beiden Protagonistinnen nach ihrem Platz in der Welt von den Songs von Michael Jackson. Smith schreibt hier aus der Position des Fans heraus. In einem Interview mit Rachel Kaadzi Ghansah gab sie aber dennoch an, dass Jacksons Wechsel seiner Hautfarbe für sie „traumatisierend“ gewesen sei, weil so der Eindruck entstand er würde sich für seine Hautfarbe schämen.

Wer sich zudem für Tanz und Musicals interessiert, kann beim Lesen bestimmt noch etwas lernen, denn Smith hat viele interessante Informationen und Geschichten aus der Welt der Performance zusammengetragen.

Zadie Smith – „Swing Time“. Erschienen bei KiWi. 640 Seiten.

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„Soloalbum“ von Benjamin von Stuckrad-Barre

Die Spitze des Fantums ist es vermutlich, seiner Lieblingsband mit einem Buch ein Denkmal zu setzen. Als bekennender Oasis-Fanatiker benannte Benjamin von Stuckrad-Barre alle Kapitel seines Debüt-Romans „Soloalbum“ nach Oasis-Songs und lieferte damit die Tracklist für die Sinnsuche seines unglücklich verliebten Protagonisten.

Auch die Entstehungsgeschichte des Buches ist außergewöhnlich. Es gehört eine ordentliche Portion Chuzpe und vielleicht auch eine Prise Arroganz dazu, einem Verlag bei einem Meeting, bei dem es eigentlich um Verhandlungen für ein Buch von Friedrich Küppersbusch gehen sollte, das eigene Buch anzubieten. Besonders, wenn das Buch per se noch nicht geschrieben wurde. Insbesondere im zarten Alter von 23 Jahren.

Nachlesen kann man die Küppersbusch-Anekdote übrigens, wie viele andere auch, in Stuckrad-Barres Autobiographie „Panikherz“, die 2016 bei KiWi erschienen ist.

Benjamin von Stuckrad-Barre – „Soloalbum“. Erschienen bei KiWi. 256 Seiten.

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„Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams

Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ macht sich auf clevere und liebenswerte Art und Weise über die Willkür und Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz im Universum lustig. Um das Buch hat sich eine sektenartige Fangemeinde gebildet und es hat sich nicht erst seit dem Erscheinen des gleichnamigen Films einen Kultstatus verdient.  Eingeweihte wissen auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ seit diesem Buch endlich die Antwort: 42.

Das Schreiben fiel Douglas nach eigenen Angaben nie leicht. Fünf Jahre brauchte er um „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu vollenden, die sich für ihn zogen wie Kaugummi. Im Vorwort des Buches dankt er deshalb besonders einem bestimmten Künstler für sein Album: „Ich möchte Paul Simon für das Album „One Trick Pony“ danken, welches ich ohne Unterlass während des Schreibens gehört habe. Fünf Jahre sind entschieden zu lang.“

Douglas Adams –„Per Anhalter durch die Galaxis“ (Band 1). Erschienen bei Kein & Aber. 240 Seiten.

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Alle Bücher könnt und solltet Ihr natürlich auch beim Buchladen Eures Vertrauens kaufen.


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