Nach Eklat in Cannes: Kinos boykottieren den Netflix-Film „Okja“

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Eigentlich bringt Netflix seine Filme ja nicht ins Kino. Immerhin basiert der Erfolg des Streaming-Dienstes darin, dass alle eigens produzierten Inhalte weltweit gleichzeitig für die Nutzer zur Verfügung stehen. Bei „Okja“ sollte nun eine Ausnahme gemacht werden, der Film zeitgleich zum Netflix-Start am 28. Juni in vielen Kinos in Südkorea gezeigt werden. Der Regisseur des Films, Bong Joon-ho, ist einer der bekanntesten Filmemacher des Landes, die Zuschauer sollten auch auf der großen Leinwand in den Genuss seines Films kommen. Doch daraus wird nichts.

Die drei größten südkoreanischen Kinoketten haben das Vorhaben des Streaming-Dienstes durchkreuzt und lehne Vorführungen des Films ab. Der Grund: In Südkorea müssen zwischen Kinostart und Heimkino-Auswertung mindestens drei Wochen liegen, Netflix wollte den Film mit Tilda Swinton und Jake Gyllenhaal aber zeitgleich in der Mediathek veröffentlichen. Der zeitliche Abstand zwischen Kino- und Heimkino-Release sei „eine wichtige Geschäftsmethode in Korea“, sagte ein Sprecher einer Kinokette.

Die betroffenen Kinoketten stellen 93 Prozent der Leinwände des Landes. Netflix‘ Plan, die Fans des Regisseurs mit einer Variante des Films auf der großen Leinwand zu beglücken und damit etwas Profit zu machen, ist gescheitert.

Bereits bei den Filmfestspielen von Cannes sorgte „Okja“ gemeinsam mit einem zweiten Netflix-Film im Wettbewerb für Aufregung. In Frankreich hatte der Streaming-Anbieter generell keine Pläne zur Kino-Veröffentlichung, was Traditionalisten sehr missfiel. Bei der „Okja“-Premiere kam es dann zum Eklat. Als das Netflix-Logo erschien, buhten und schrien die Mitglieder der Fachpresse sowie Branchenvertreter los. Zudem werden Netflix-Filme im kommenden Jahr nicht mehr in der Königskategorie der Filmfestspiele berücksichtigt.

Möglicher Ansturm auf Indie-Kinos

Das US-Unternehmen wurde von der Festivalleitung gebeten, sich zumindest um einen kleinen Kinostart in Frankreich zu bemühen – die Gemüter wären dadurch besänftigt. Allerdings weigerte sich Netflix abermals eine mehrmonatige Zeitspanne zwischen Kinostart und Heimkino-Auswertung hinzunehmen.

Der Kinostart in Südkorea wird für Netflix also definitiv kein Erfolg werden, könnte den Indie-Kinos, die den Film dennoch zeigen (den 7 Prozent also) einen Besucheransturm bescheren. Eine Premiere wird es zudem auch geben, Regisseur und Cast werden erwartet, die Pressekonferenz dürfte spannend werden.

In „Okja“ will ein kleines Mädchen ihr Schwein retten. Dieses wurde aber von der Lebensmittelindustrie gezüchtet.

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