Pubertär: Teenage Fanclub


HAMBURG. Wissen Sie. wo man die Klasse-Frauen findet? Ich weiß es endlich. Ein Konzert kann Augen öffnen. Nun: Wo sind die KlasseFrauen, fragen Sie? Zweifellos nicht dort, wo man sie vermutet: Weder bei den vier Schwanz-Posern Red Hot Chili Peppers noch beim Sexprotz Prince. nicht beim Friseusenschwarm Westernhagen und schon gar nicht beim post-potenten Mick Jagger. Klasse-Frauen sind wählerisch. Und zur Zeit findet man sie bei Auftritten muffeliger, schweigsamer, langhaariger Rockbands aus Glasgow.

Wie Teenage Fanclub. Dort drängeln sich Klasse-Frauen an die Orte vor der Bühne, wo es heiß ist und klebt, schütteln ihre langen Haare im Takt, grinsen debil und bitten ihren Nebenmann höflich, ob es möglich sei, sie auf der Schulter zu tragen und ihnen so zu gesteigerter Ekstase zu verhelfen. Ihre Helden heißen Norman. Raymond, Gerard und Brendan. zusammen Teenage Fanclub, und ihnen eilt der Ruf voraus.

die beste schottische Band seit den Bay City Rollers zu sein. So wundert es nicht, daß die „Große Freiheit“ in Hamburg trotz mitternächtlicher Stunde gut gefüllt ist.

Daß sich die reine Auftrittsdauer jedoch nur auf knappe 40 Minuten beschränkte und von bemerkenswerter Unprofessionalität geprägt war, schien den Klasse-Frauen nichts auszumachen. Sie schüttelten ihre schmalen Körper und freuten sich, auf der Welt zu sein.

Teenage Fanclub jagten brutal verzerrte Gitarrenattacken gen Publikum und sangen dazu traumwandlerische Melodien — schlechter als Neil Young. besser als Primal Scream, paranoider als Dinosaur Jr. „I’m sorry“, nuschelte Sänger Norman am Ende und bot ein Bild des Jammers. Schlagzeuger Brendan war während der letzten von zwei Zugaben verärgert von der Bühne gerannt, der Sound brach zusammen, es herrschte mildes Chaos.

Die Klasse-Frauen klatschten nicht einmal. Schnell verloren sie sich im Schneetreiben. Klasse-Frauen sind herzlos.