Aloa Input Anysome


Morr Music/Indigo

Würde flächendeckender Mindestlohn plus Überstundenvergütung für Musiker eingeführt, Christoph Beck, Marcus Grassl und Florian Kreier von Aloa Input wären vermutlich Großverdiener, denn ihr Debütalbum ANYSOME dürfte die Bayern unzählige Tage und schlaflose Nächte im Studio gekostet haben. Sie hatten sich offensichtlich in den Kopf gesetzt, ihre jeweiligen Einflüsse von Welt-, Indie- und Experimentalmusik unter einen wohltemperierten Album- Hut zu packen. Derart größenwahnsinnige Projekte scheitern meist, aber manchmal, wie hier, entsteht dabei auch Einzigartiges. Fast jedes der zahlreichen Genre-Charakteristika haben Aloa Input in ihre Musik integriert. Die Stücke in ANYSOME vereinen Synthie-Flächen mit afrikanischen Trommeln, entspannten Gesang mit Bläsersätzen und Vogelgezwitscher mit verzerrten E-Gitarren. Die Elemente sind dabei detailverliebt arrangiert, die Spuren sorgsam dosiert. Mühelos kann sich der Hörer deshalb in den ungeraden Takten von „Someday Morning“ und „Chasing Shades“ zurechtfinden und wieder verlieren. Oder er poltert bei kraftvolleren Songs wie „Another Green World“ über eine Tanzfläche seiner Wahl. Und weil die drei für ihr Album- Kleinod mehr verdient haben als eine wohlwollende Rezension und weil das mit dem Mindestlohn ja doch wieder nichts wird: Hiermit sind Mobilfunk- Anbieter und Großkonzerne aufgerufen, sich ANYSOME vor der Planung ihrer nächsten großen TV-Kampagne einmal ganz genau anzuhören.


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