Belgrad

Belgrad

Zeitstrafe/Indigo

Deutsche Ex-Punks erfinden metaphernreiche Dunkelmusik.

BELGRAD ist die ernsthafteste deutsche Platte das Jahres, was nicht verkehrt ist. Die Leute von Belgrad wohnen in Hamburg, Dresden und Berlin; es handelt sich um Post-Punks, in ihren Vitas stehen die Namen Slime, Torpedo Moskau, Kommando Sonne-nmilch. Stefan Mahler ist das bekannteste Gesicht, er schrieb damals die richtig guten Dinger von Slime, seit vielen Jahren spielt er eine wesentlich differenziertere und melancholischere Musik.

Die Idee zu Belgrad entstand auf einer Reise durch Osteuropa, man begegnete Schwermut und Tristesse, Spuren von Krieg und Schönheit. Ein Lied heißt „Schellack und Gewalt“, es klingt wie eine Mischung aus The Cure und Grauzone, die vor Enteignung durch die NDW eine trübsinnige Band waren. „Westen“ und „Fremde“ orientieren sich an Electronic Body Music, diesem Bastard aus Gothic, Industrial und Techno. Der Sprechgesang von „Kahlberg“, deutscher Name einer polnischen Hafenstadt, ist eine konkrete persönliche Abrechnung, ansonsten bleiben die Texte sehr bildhaft.

Das stärkste Stück ist „Niemand“, das schon seit einiger Zeit mit faszinierendem Video im Netz steht, hier aber in einer neuen Version zu hören ist – eine betörende Schleife über nostalgische Bilder und traurige Gedanken: „Niemand, der dich hört. Niemand, der nach dir fragt. Niemand, der dich stört. Niemand, der etwas sagt.“ Tristesse Royale, die in ihrer Freude an der ästhetischen Glorifizierung des Abgrunds an die britischen Spiritualized erinnert.

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Klingt wie: Grauzone: GRAUZONE (1981) / EA 80: ZWEIHUNDERTZWEI (1990) / Messer: JALOUSIE (2016)