Coogans Bluff Gettin‘ Dizzy


Nois-o-lution/Indigo (VÖ: 07.3.)

von

Holt man Informationen über Coogans Bluff ein, gibt es drei Dinge, an denen man nicht vorbeikommt: Das Quintett stammt ursprünglich aus Rostock, benannte sich einst nach einem Clint-Eastwood-Streifen, Don Siegels kontroversem Actionfilm „Coogans großer Bluff“ aus dem Jahr 1968, und ist nach Aussage seines Labels in einer Zeit zu Hause, als „Schlaghosen der heiße Scheiß waren“. Ach, bitte! Bloß nicht schon wieder so ein Retro-Kram, möchte man mosern.

Nicht schon wieder eine Band, die die üblichen Verdächtigen der späten Sechziger- und der frühen Siebzigerjahre zitiert – womöglich noch „mit einem modernen Dreh“. Man weiß ja nie, wo so etwas endet – schlimmstenfalls in einer schäbigen Eckkneipe in einer Bahnhofsgegend, wo hygieneferne Männer in fettigen Jeanswesten traurig herumlungern und gegen das Erinnern antrinken. Doch dann hört man das neueste Werk von Coogans Bluff und kann sich nicht mehr halten. GETTIN’ DIZZY macht seinem Namen alle Ehre und paart in Stücken wie „Her Tears“ und „Money & Mess“ atemlosen Gitarrenwahnsinn mit Trompete und Saxofon.

Zwischendrin findet sich zudem eine gelungene Interpretation des Yardbirds-Klassikers „Heart Full Of Soul“ von 1965. Nach der ganzen Aufregung endet die Platte schließlich mit dem gediegenen „Chicago“, das eine Hymne für alle übrig gebliebenen Blueser und Tramper dieser Erde sein könnte. Unter markerschütterndem Wolfsgeheul wird darin die Schönheit des ziellosen Herumstreifens, des Sich-treiben-Lassens besungen: „Walk in the streets of Chicago, don’t know which way, which way to go …“ Wie gerne würde man ein paar Schritte mitstreunern. Egal, in welchem Jahrzehnt dieser Spaziergang stattfinden würde.


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