Cooly G Wait ‚Til Midnight


Hyperdub/Cargo

Wie schnell die Entwicklung in dem musikalischen Bereich voranschreitet, der Ende der Nullerjahre aus den Ruinen des Dubstep hervorgegangen ist, zeigen die Unterschiede zwischen dem ersten (PLAYIN ME, 2012) und dem aktuellen Album von Cooly G. War das Debüt von Merrisa Campbell der damals sehr gelungene Versuch, den Horizont von Bassmusiken durch die Zugabe scheinbar artfremder Elemente zu erweitern, so verbinden sich auf WAIT ’TIL NIGHT die losen Enden von Dubstep, House, TripHop, R’n’B, Funk und nicht zuletzt HipHop zu einem minimalistischen Mutant-Electro-Soul. Den lädt die Sängerin und Produzentin aus Brixton mit verzerrten Gitarren, trockenen, stolpernden Beats, Ethno-Elementen und nicht überdominanten Synthesizerfiguren auf, sodass man sich fragen darf: Ist das Synthpop mit HipHop-Einschlag oder umgekehrt? Cooly G bezeichnet die Musik auf dem Album als „lo-fi bedroom music“. Tatsächlich ist WAIT ’TIL NIGHT ein Album über Vorgänge im Schlafzimmer, die nichts mit Schlafen zu tun haben, ein Konzeptalbum übers Vögeln. Wie unspektakulär und ohne erkennbaren Willen zur Provokation sie in „Fuck With You“ diesen Wunsch thematisiert, verleiht dem Subgenre der Kopulationslieder eine neue Qualität.


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