Lindemann Skills in Pills


Warner

von

Was für eine Szene: „Cowboy, Cowboy, we can ride. Any horse and any bride“, singt die schwere, tiefe Stimme und dann kotzt nicht das Pferd, sondern der Cowboy – kein Wunder nach der ganzen Reiterei – in seinen Cowboy-Hut. Das ist genau die Sorte Humor, die Till Lindemann schon als Rammstein-Texter und -Sänger besaß, aber sonst gut versteckte hinter einem martialischen Auftreten, dem man kein Augenzwinkern zutraute. Nun, auf SKILLS IN PILLS, dem ersten Album von Lindemann, seinem Projekt mit der schwedischen Death-Metal-Legende Peter Tägtgren, wird die Karikatur endgültig zur Groteske überhöht.

Musikalisch haben sich die beiden ungefähr in der Mitte getroffen: Das Tempo ist oft schneller als bei der Rammstein’schen Marschmusik, die Metal-Riffs nicht ganz so zähflüssig, die Stimmung bisweilen aufgeräumter. Doch während Saufkumpan Tägtgren donnernde Gitarren übereinander schichtet, singt Lindemann mit viel Pathos in der Stimme über schwulen Sex, die Leidenschaft für fettleibige Frauen, die Freuden einer Urindusche, die Schmerzen und den Schleim. Aber statt seine liebsten Sujets wie gewohnt in ein poetisches, antiquiertes Deutsch umzusetzen, singt der gelernte DDR-Bürger Lindemann erstmals Englisch. Die Folge ist, dass der Humor, den viele dem massigen Mann nicht zugetraut haben, umso deutlicher in den Vordergrund tritt.


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