Low Double Negative


Sub Pop/Cargo

von

Schon das Vorgängeralbum ONES AND SIXES lebte von einer minimalistisch-trotzigen Spannung, Low hatten noch einmal einen neuen Klang gefunden, ließen sich von BJ Burton produzieren, einem – so Low-Sänger Alan Sparhawk – „HipHop-Typen“, dessen Arbeit die Musik von Bon Iver und Francis & The Light so besonders macht. War auf ONES AND SIXES der Low-Kosmos noch intakt, bekam Burton für DOUBLE NEGATIVE den erweiterten Auftrag, diesen zu zerschießen. Die Band fuhr dafür nach Eau Claire in Wisconsin, ließ alles in Duluth, Minnesota zurück, was an vergangene Großtaten erinnerte.

🛒  jetzt Low „Double Negative“ auf Amazon.de bestellen

Das Album beginnt mit einer Lied-Trilogie, die Low in Gefilde der Elektro-Avantgarde führt: In „Quorum“ schält sich ein Alien aus dem Panzer, die Gesangsmelodie ist hinter der Technik versteckt, aber wenn die Harmonien von Sparhawk und Mimi Parker erkennbar werden, will der Alien vor Rührung kurz nach Hause telefonieren. Basis von „Dancing And Blood“ ist ein Industrial-Beat wie von einer Ben-Frost-Platte, Mimi Parker intoniert beinahe so lautmalerisch wie Liz Fraser von den Cocteau Twins, auch das französische Cold-Wave-Ensemble Collection d’Arnell-Andréa taugt als Vergleich. „Fly“ ist Soul-Noir, Mimi Parker singt, wie man sie bei Low noch nie singen gehört hat, es ist ihre Show.

Das bekannte Low-Gefühl stellt sich erst beim fünften Stück ein, „Always Up“ handelt entgegen des Titels von Frustrationen und anderem Elend, der Song tröpfelt träge, nach gut zwei Minuten singt Parker den Refrain kurz allein, dann greift Sparhawk ein – die Stimmung bleibt am Boden, aber aus dieser doppelten Negativität entwickelt sich eine besondere Schönheit: Man muss erst lernen, diese auszuhalten, die Belohnung ist dann umso größer.

Low – Dancing and Blood [OFFICIAL VIDEO] auf YouTube ansehen
🛒  jetzt Low „Double Negative“ auf Amazon.de bestellen


ÄHNLICHE KRITIKEN

Low :: Hey What

Wie Gesang unter einstürzenden Gitarrenbauten zerbricht.

Lucy Kruger & The Lost Boys :: Transit Tapes (For Women Who Move Furniture Around)

Große Songs hinter puristischem Rauschen: Warum zerreißt der Slow-Folk der Kapstadt-Berliner Songwriterin keine Herzen?

Orbital :: Monsters Exist

The Third Coming: Man kann die Techno-Gebrüder einfach nicht trennen.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Mit den 100 besten Debütalben, Lorde, Drangsal, Little Simz und Fiona Apple: Der neue Musikexpress ist da!

Wir liefern Euch die besten Debütalben aller (bisherigen) Zeiten, Lorde gibt sich frei, leicht, optimistisch und offline, und Drangsal veröffentlicht mit EXIT STRATEGY ein Album, das über die vermeintlichen Grenzen des guten Geschmacks rotzig hinwegsieht – diese und weitere Themen im jetzt erschienenen Musikexpress 09/21.

H.P. Baxxter äußert sich zur Genderdebatte: „Das ist für mich Idiotensprache“

Der Scooter-Sänger stellt sich im Gespräch mit „Radio Hamburg“ gegen das Gendern der Sprache.

Kraftwerk-Chef Ralf Hütter im Interview: „Ich höre die Stille und die Welt“

Aus dem ME 08/2017: Musikexpress-Redakteur Albert Koch wollte 1997 einmal ein Interview mit Kraftwerk-Chef Ralf Hütter haben – 20 Jahre später hatte er es bekommen.


Die 100 besten Stimmen der Musikgeschichte
Weiterlesen