Primal Scream More Light


Ignition/Indigo 10.5.

„Mehr Licht!“ sollen angeblich – hoch umstritten – die letzten Worte Johann Wolfgang von Goethes gewesen sein. Mehr Licht hatten sich nach dem letztem Primal-Scream-Album auch die Fans der Band aus Glasgow gewünscht: Der als oberflächlich missverstandene Pop-Wurf BEAUTIFUL FUTURE aus dem Jahr 2008 wurde weitläufig geschmäht und fristet heute ein Schattendasein im Werk der Genre-Hüpfer. Die Kritik mag die an sich nicht so leicht zu beeindruckende Band dann doch irritiert haben: In den fünf Jahren seither gaben sich die fortschrittsversessenen Primal Scream konservativ. Bassist Mani kehrte zu seinen Stone Roses zurück, der Rest der Truppe ging mit seinem 20 Jahre alten Meisterwerk SCREAMADELICA auf Tournee. Erstaunlicherweise profitierte die Band von dieser Rückbesinnung: Selten dürfte die Welt eine so elektrisierende Oldie-Show gesehen haben. Opener und Leadsingle des zehnten Primal-Scream-Studioalbums MORE LIGHT versucht nun, diese Kraft zu bewahren. „2013“ ist ein neunminütiges Prog-Pop-Stück mit einem sich sofort einbrennenden Saxofon-Hook (oh ja, Saxofon – Feinde dieses Instruments mögen sich von dieser saxofondurchsetzten Platte fernhalten) und einer kreischenden Gitarrenfigur von Kevin Shields (My Bloody Valentine) im Refrain. Leider kann der Text dazu nicht mithalten: „Punkrock came and went and nothing changed, was it just a pose?/What happened to the voices of dissent? Getting rich I guess.“ Gähn. Von „einem“ Bobby Gillespie erwartet man sich einfach mehr Vision, mehr Licht. Das Album bleibt zwiespältig: Jede Großartigkeit wie das Disney-Sinfonien in Voodoo-Country einarbeitende „River Of Pain“ gleicht eine Banalität wie „Sideman“ aus. Zum Schluss wird es dann sogar ärgerlich: „It’s Alright, It’s OK“ ist SCREAMADELICA-Malen-nach-Zahlen – welches das so aufrührerisch beginnende Album dann mit einem „Ooh la la, it’s alright“-Chor beendet. Eine von der Plattenfirma in Auftrag gegebene Arbeit nach der erfolgreichen Nostalgietour? Spekulation. Ebenso wie die Frage, ob diese Band jemals wieder in der Lage sein wird, ein Album zu veröffentlichen, das sich mit dem einstigen Standardniveau von VANISHING POINT oder XTRMNTR messen lassen kann.


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