Rodriguez – Cold Fact

Wer mit großer Vorfreude in der anglo-amerikanischen Presse nach Kritiken zur Wiederveröffentlichung dieses Rodriguez-Albums stöberte, konnte so allerhand lesen, zum Beispiel auch von der“proto-rap legend“, die Jon Savage in „Mojo“ entdeckte. Die hastige Neubewertung von obskuren Veröffentlichungen aus den goldenen Jahren der Popmusik gebiert hin und wieder auch schlicht Unsinn. Gerne würden wir hier den Iggy Pop des Rap begrüßen, lieber aber schlagen wir uns kurz auf die Seite der Fakten. Diaz Rodriguez wurde 1942 als Sohn mexikanischer Einwanderer in Michigan geboren, brachte sich als jugendlicher das Gitarrespielen bei und trat in den Bars und Folk-Clubs Detroits auf. Sein mit Motown-Gitarrist Dennis Coffey 1969 aufgenommenes Debüt cold fact floppte in den USA, erlangte Jahre später in Südafrika große Popularität- in den gegenkulturellen Wellen, die unter den Zumutungen des Apartheid-Regimes aufbrandeten, cold FACT war vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen in den letzten Monaten der 60er-Jahre entstanden, Rodriguez reflektiert in seinen Liedern über Straßenkampfund Drogen, über Liebe und Freiheit, in dunklen, fantastischen Worten, befeuert von einer durchaus zeittypischen musikalischen Dramaturgie. Er raunt vor Streicher-Bahnen und Fuzz-Gitarren-Festspielen vom Ende eines Systems, das für ihn nicht viel mehr als die Straße übrig hatte, einmal nimmt er diesen speziellen Dylan-Singsang mit(„This Is Not A Song, It’s An Outburst Or, The Establishment Blues“). Auf dem Grund und Boden dieser düster schillernden Lieder sind immer die akustischen Gitarren zu hören, die liebsten Spielzeuge der verträumten Kinder der Generation Woodstock. Rodriguez‘ Markenzeichen-Song „Sugar Man“ (Freeload auf der Label-Seite!) rechnet dann schon wieder mit dem Drogen-Traum der Sixties ab: „Sugar man met a false friend/on a lonely dusty road/lost my heart when I found it/it had turned to dead block cool.“ „Sugar Man“ ist auch knapp 40 Jahre später noch ein visionäres Stück Popmusik. Ich schreibe das gerne, weil viel zu viele mittelmäßige „Kultplatten“ in den Reissue-Kreislauf geraten, cold fact gehört zu den lost classics. die diesen Titel tatsächlich verdienen.

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