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Screaming Females Rose Mountain


Don Giovanni Records/Cargo

Weniger Gitarrenwut, mehr klassische Schönheit. Laut der Genre-Beschreibung auf Facebook: Rock, Rock, Rock. Hört man sich öfter durch das sechste Album der Screaming Females aus New Brunswick, New Jersey (das sind sechs Platten in gerade mal zehn Jahren Bandgeschichte), steckt aber doch noch ein bisschen mehr dahinter. Klar, präzise auf den Punkt ist jedes der Stücke auf Rose Mountain – genauso wie die Social-Media-Caption des Trios aus New Brunswick.

Die Band hält aber über die unverschämt poppig-griffigen Melodien hinaus an einer grundlegenden Schroffheit fest. Quasi in die Ecke spucken, wenn keiner guckt. Das T-Shirt falschherum tragen und einen gebügelten Blazer darüber anziehen. Doch die frühere Aggression, der etwas abgestandene Rotz und Schweiß von Alben wie Baby Teeth wurde dieses Mal willentlich wegproduziert. Und zwar von Matt Bayles, der zuvor bei Minus The Bear und Mastodon den Produzenten gab.

Gutes Beispiel für die neu gefundene Eingängigkeit: „Wishing Well“, fast schon sieht man vor dem inneren Auge frisch Verliebte dazu sabbernd knutschen. An älteres Können der Screaming Females erinnert da schon eher der zweite Song „Ripe“, was für ein Feger! In Verbindung mit der tiefen, Druck erzeugenden Stimme Marissa Paternosters – einer Frau mit Feuer auf der Zunge, einem beneidenswerten Nachnamen und vom US-Fachorgan „Spin“ zu einem der besten Gitarre-spielenden Menschen aller Zeiten gewählt – ergibt das Album einen herrlich bekömmlichen Riff-Rock-Cocktail. Noch in der letzten Musikexpress-Ausgabe wurde „der gepresste Gesang der beiden Frontfrauen“ von Mourn mit dem von Paternoster von den „famosen Garage-Punks Screaming Females“ verglichen. Da hat wohl jemand gerade seinen Moment.


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