Spiritualized And Nothing Hurt


Bella Union/[PIAS] Coop/Rough Trade (VÖ: 07.09.18)

Es war ja wieder mal (fast) ein Alleingang von Jason Pierce alias J. Spaceman. So wenig überraschend die Information ist, so sehr darf doch das Ergebnis der Aufnahmesessions erstaunen, die in einem Zimmer seines Hauses in London stattfanden und die Pierce via Laptop aufzeichnete. Dieser Alleingang muss wohl schmerzlich und frustrierend für den Sänger und Vielinstrumentalisten gewesen sein. Die Herausforderung bestand im Versuch, den großen Live-Sound der Band im Studio ordentlich aufdröhnend zu reproduzieren.

Das Beste an AND NOTHING HURT ist, dass die jetzt hier versammelten neun Songs erstens eine wunderbare Einheit bilden und zweitens all die Anstrengungen in einem kathartischen Aufwasch von Song zu Song vergessen lassen. Jason Pierce hat vielleicht auch die Songs seines Lebens geschrieben, womöglich weil es um dieses sein Leben und das Altern ging. Pierce singt seine Gedanken so wunderbar anstrengungslos in drei- bis sechsminütige Superhymnen, die jeden Moment instrumental zulegen können. Es hat hier spitze Bläsersätze, die in Orgelpassagen von Songs fahren, die Bob Dylan hätte komponiert haben können („I’m Your Man“). Oder Streichermelodien, die nach hinten aus einem Stück rausfahren, sich wie ein Loop auf einem Bierdeckel drehen, ein paar Geräusche hintendran („Let’s Dance“). Im Anschluss die Hymne der Hymnen, die mit 150 Prozent beginnt und in einem Dauer-Inferno so eine Art Free Jazz auf Rock-Buchstaben formuliert, mit besonderer Unterstützung von Saxofon und Chor.

Musik aus einem heißen Kessel, der überschäumt, aber nicht von der Platte fliegt. Darauf folgt zur Abkühlung eine Gutenacht-Lied namens „Damaged“. Sind Spiritualized jetzt Mercury Rev? Oder vielleicht gar Tindersticks?

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