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Toni Erdmann Regie: Maren Ade


Deutschland 2016, Start: 14. Juli 2016

Okay, das funktioniert nie, dieses Ding, denkt man sich und will es eigentlich gar nicht sehen: deutscher Film, Komödie, 162 Minuten Laufzeit, entfremdeter Vater und Tochter. Und da hat man noch gar nicht die bizarren Szenenfotos erwähnt, die veröffentlicht wurden und auf denen Peter Simonischek eine groteske Perücke und ein
falsches Gebiss trägt, das er Loriots Vic Dorn geklaut zu haben scheint.

Und dann wischt Maren Ade gleich in der ersten Szene ihrer dritten Regiearbeit alle Bedenken und Vorbehalte und Vorurteile beiseite. Nach zwei Stunden, die sich nie wie zwei Stunden anfühlen oder zumindest wie zwei Stunden, die nicht vergnüglicher und überraschender hätten sein können, sitzt man im Kino und fleht inständig: Bitte! Versemmel es jetzt nicht auf den letzten Metern, wie Filme das nun mal zu tun pflegen, Beispiele gibt es genug.

Und da beginnt das kleine Wunder: „Toni Erdmann“ wird immer besser. In direkter Abfolge kommen jetzt drei Szenen, von denen jede einzelne für sich schon meisterhaft wäre, aber es ist unfassbar, wie gut sie zusammenspielen und dabei alle angerissenen Themen zusammenführen, wie man Tränen lachen muss und doch angerührt und intellektuell beflügelt ist. Das ist Film für die Ewigkeit, der einem nicht nur den Glauben an das deutsche, sondern ans Kino im Ganzen zurückgibt.

„Toni Erdmann“ ist stets eine Gratwanderung, ein Vabanque-Spiel, bei dem die Regisseurin und ihre beiden famosen Hauptdarsteller Sandra Hüller und Peter Simonischek immer volles Risiko gehen. Und gerade weil die Chancen immer besser stehen, dass der Film irgendwann doch die falsche Abzweigung nimmt, ist es umso überwältigender, dass er doch immer ein Türchen findet, mit dem man selbst nicht gerechnet hat.

Was Maren Ades Blick auf Menschen und unsere Gegenwart so bestechend macht, ist ja nicht die Geschichte eines peinlichen 68er-Papas, der seiner in Bukarest als Geschäftsfrau erfolgreichen Tochter erst wieder näher kommen kann, als er sich in der rumänischen Society als „Toni Erdmann“ breit macht. Es ist vielmehr die Haltung, mit der Ade diese Geschichte erzählt, wie sie jenseits ihrer Figuren ein Universum andeutet. Ein Film, der uns Kinogänger glücklich macht.


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