Von Spar Streetlife


Italic Recordings/Rough Trade

Die Vertrautheit, die sich mit den ersten Tönen von „Chain Of Command“ einstellt, ist frappierend. Was erst mal gar nichts mit der Kölner Band Von Spar zu tun hat, deren Diskografie nur drei Studioalben und ein bisschen Kleinkram in über zehn Jahren umfasst. Es klingt in diesen ersten knapp fünf Minuten, als hätte jemand genau auf den Punkt gespielt, wo die Disco sich im Glamour-Pop wiederentdeckt. Von Spar wurden in der Vergangenheit als Wiedergänger des Krautrock begrüßt, sie haben mit Stephen Malkmus auf dem Kölner Week-End-Festival 2013 eine „Lesung“ des Can-Klassiker EGE BAMYASI hingelegt, das Live-Dokument wurde auf Matador (USA) und Domino (Europa) veröffentlicht. Die transatlantischen Verbindungen machen auch dieses Album zu einer Ausnahmeerscheinung auf dem Feld, das Von Spar ursprünglich bestellten: Elektro-Pop, deutsch. Scout Niblett, Ada und Chris Cummings (Ex-Mantler) entführen die Songs als Vokalisten in Regionen weitab der deutschen Alternative-Landkarte. Die Band entwickelt dazu Visionen, in denen es nicht um ein Morgen, sondern um ein Nebenan geht. Von Spar umgarnen AOR mit schmeichelhaften Pianos, schenken dem Bee-Gees-Dancefloor eine homöopathische Dosis Funk („One Human Minute“) und lassen den Softpop in gut gebauten Saxofonschleifen auslaufen. STREETLIFE becirct mit der Erotik dezenten Andersseins, die Band spielt diesen Gedanken mit größter Ruhe aus.


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