Highlight: Die 50 besten Songs des Jahres 2017

Wanda Ciao!


Vertigo Berlin/Universal (VÖ: 6.9.)

Wanda haben ihre eigene Sprache gefunden. Sie können auf eigene Chiffren zurückgreifen und auch auf eigene Kunstgriffe. Sie besitzen ein sehr gutes Gespür dafür, wie ein Song aufgebaut sein muss. Das führt zu einem Aktivposten, den längst nicht alle Bands besitzen. Das Entscheidende ist aber, dass Wanda diesen Aktivposten nicht überstrapazieren. Sie bemühen sich, ihm Neues an die Seite zu stellen. Auf dem letzten Album klappte das ganz gut, Wanda strichen ihre Musik mit Teerfarbe an, sie klang nicht mehr nach dem Exzess, sondern eher nach dem Morgen nach der Rauschmittelnacht. Müde, aber nicht ohne Hoffnung. Zerstört, aber in dem Wissen: Das Leben, dieses eigenartige Ding, verfügt über Reserven, die dafür sorgen, dass nach einer Weile alles wieder im Lot ist. Das scheint nun der Fall zu sein, und Wanda laufen mit aufgerissenen Augen durch die Welt.

Wandas neues Album „CIAO!“ bei Amazon.de kaufen

CIAO! ist eine irre musikalische Platte in dem Sinne, dass sie nach links und nach rechts und nach oben und nach unten schaut. Die Band hat ihre Beatles studiert, sowohl „Ein komischer Traum“ als auch „Swing Shit Slide Show“ und „Gerda Rogers“ atmen den Geist von SGT. PEPPER’S. Vielleicht auch „Vielleicht“ mit seinem schönen Kurt-Sowinetz-Verweis, wobei das dann eher an Klaatu erinnert, von denen man ja seinerzeit dachte, sie wären die Beatles.

Wanda üben sich aber auch in Zappel­funk, in Powerpop, in sweetem Sixties-Pastiche und in Seventies-Gesten. Bisweilen wirkt dieser Stilmix etwas erratisch, zumal Marco ­Michael Wandas Wortschatz das Konkrete verlassen hat. Die Slogans sind weniger geworden. Er lädt stattdessen vermehrt zu Assoziationen ein.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man sich da durchkämpfen muss, dann schälen sich die Hits heraus, neben der Single „Ciao Baby“ vor allem „Das ­Erste, an was ich denk“. „Ich weiß genau, dass wir zu oft in die Ferne schauen“, singt Wanda hier zum Wummerbass, zum Schifferklavier, zur freidrehenden Gitarre. Irgendwann ein „Yeah“, dann ein Solo, und man hat wieder diesen Kosmos betreten, in dem man sich doch so gerne hinlegt und die Augen schließt. Nur hätte man sich eine etwas dickere Decke gewünscht. Aber man kann nicht alles haben.

Wandas CIAO! im Stream hören:


ÄHNLICHE KRITIKEN

Wanda :: Niente

Die Wiener Sentimental-­Rocker erweitern ihr emotionales ­Repertoire entscheidend.

Wanda :: Amore meine Stadt

Vorläufiger (!) Höhepunkt der steilen Karriere der geilen Wiener: Dokument des bisher größten Headliner-Konzerts der Ganzkörper-Rocker.

Wanda :: Bussi

Wer A(more) sagt, muss auch B(ussi) sagen, oder besser: gen Himmel schreien. Die Wiener Rock’n’Roll-Band lässt nichts anbrennen und setzt...


ÄHNLICHE ARTIKEL

Mit Prince-Special und exklusiver 7-Inch: Der neue Musikexpress – jetzt am Kiosk!

Die Geschichte eines legendären Albums, exklusive 7-Inch von Prince, Deichkind im Interview über die großen Themen der Zeit und Whitney als Beziehungsberater über das Paarsein – diese und weitere Themen im jetzt erschienenen Musikexpress 10/19.

Wanda: Hört hier das neue Album „CIAO!” im Stream

Die österreichische Band Wanda hat am 06. September 2019 ihr neues Album „CIAO” herausgebracht. Hört die Platte hier im Stream.

Roboter im All: Wanda singen übers „Nach Hause Gehen“ (Stream und Video)

Das dazugehörige vierte Album CIAO! soll im September erscheinen.

Werbung

Jetzt in die Zukunft starten mit den neuen MagentaMobil Tarifen

Ab sofort inklusive 5G*. Jetzt in die Zukunft starten!

Mehr Infos


Sziget Festival 2019: So war es auf Ungarns „Insel der Freiheit“ mit The National, Wanda und Post Malone
Weiterlesen