Satire! Bekannte von Bekannten lassen grüßen

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Bekannte von Bekannten vs. Freunde von Freunden

Schon mal was von „Freunden von Freunden“ gehört? Das Berliner Online-Magazin nistet sich regelmäßig in die Privatgemächer von Kreativen ein – Musiker, Künstler, Designer,  Fotografen – und treibt in Form von Bildern und gemütlichen Interviews bei Kaffee und Kuchen die Entprivatisierung voran. Immer in der Annahme, dass privat und beruflich nicht voneinander zu trennen ist und wechselseitig voneinander erzählt.

Das ist inspirierend, interessant und doch im gleichen Maße frustrierend. Denn wer die Wohnungen auf „Freunde von Freunden“ betrachtet, bekommt den Eindruck, das Ungeschönte – die schlechten Romane, die Geschenke von Großmutter und auch die nostalgische Erinnerungsstücke, die schreiend hässlich sind, von denen man sich aber einfach nicht trennen kann – hätte im Jetzt keinen Platz. Doch wer wird tatsächlich nur von marktfrischem Gemüse – adrett nach Farbgruppen drapiert auf dem Küchentisch – satt? Und hat mit Anfang Dreißig eine reife Kunstsammlung an den Wänden?

Diesem Paradox hat sich offensichtlich ein Blog namens „Bekannte von Bekannten“ angenommen. Die unbekannten Macher geben an, einen „neuen Blog aus der coolsten Stadt der Welt“ zu betreiben und rufen dazu auf, sich mit der eigenen Mittelmäßigkeit zu beteiligen: “Hast du auch Bekannte, die irgendwo wohnen? Lade hier ein Foto hoch von dem Ort, wo deine Bekannten wohnen. Alles bleibt anonym, aber wir wollen natürlich wissen in welcher Stadt und in welchem Bezirk deine Bekannten wohnen.”

Und auch die Posts klingen nach vertrauter Tristesse Royale im Eigenheim: „Eine Glühbirne und drei Haken an der Wohnzimmerdecke bei einer Bekannten im Prenzlauer Berg.“ „Themen-Spezial ‘Urban Farming’ heute mit dem Kräutergarten in der Wohnung einer Bekannten im Wedding.“ Oder auch: „Schon Ideen für’s Abendessen? Wir empfehlen heute Reis!“

Kurzweilig und entzaubernd? Stimmt. Dafür: Reality TV mit hintersinnigem Humor.



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