Highlight: Musiker erzählen von den Abenteuern, die sie erlebt haben als die Berliner Mauer fiel

Savages: So war’s beim Konzert in Berlin

Wer sich derzeit für Postpunk interessiert und schlau ist, investiert nicht in den Küchentisch von Ian Curtis, sondern in ein Ticket für Savages. Deren aktuelles Album, SILENCE YOURSELF, gehört nicht nur zu den besten des Genres, sondern sicher auch zu den Glanzstücken der vergangenen Jahre. Das Debütalbum der Londoner Band erschien vor einem guten halben Jahr – seitdem nahm Portishead sie ins Vorprogramm, auch beim Coachella und beim Berlin Festival standen sie auf der Bühne. Nun, im November, knüpfen sie an ihre Deutschland-Tour im Mai an.

„Silence Yourself“ und vor allem „Silence Your Phones“ – so lautet die Aufforderung, die einem am Eingang zum Kesselhaus begegnet. Savages beanspruchen den Moment und die Stille für sich, um den Raum wenig später mit geeistem Lärm zu fixieren. Dabei nehmen sie das basale Dröhnen auf, das der Support 1Way, ein in Berlin lebender DJ, mit Drones und Beatsprengseln hinterlässt.

Das Set eröffnet das neue Stück „I Need Something New“: Hier schreit Sängerin Jehnny Beth das Verlangen nach Neuem mantraartig in eine Welt ohne Echo; dabei ist sie stilvoll – wie derzeit wohl nur Anna Calvi – in schwarz gekleidet, lediglich die roten Pumps bilden einen Kontrapunkt. Gepaart mit ihrer Kurzhaarfrisur erlebt man sie im Laufe des Abends als eine mit provozierenden wie auch mit verführenden Gesten hantierende Frontfrau, die man sich ebenso mit Gasmaske wie im Flamenco-Kleid vorstellen kann. Schlagzeugerin Fay Milton hält die Songs auch während kakophonischer Passagen wie bei „Hit Me“ zusammen. Stark ebenso die sägende Gitarre von Gemma Thompson („City’s Full“) und der gutturale Bass von Ayse Hassan („Shut Up“).

Überhaupt: Muss man noch erwähnen, dass die Band nur aus Frauen besteht? Höchstens, wenn man sie als Grrl-Group sehen möchte, die auf ihre Weise den Geist von Bands wie Sleater-Kinney fortführt und Musikerinnen wie Siouxsie Sioux und Patti Smith huldigt. So vergleiche man das japsende „Husbands“ mit Smiths legendärem „Horses“. Nach besagtem „Husbands“ ist der gut 70-minütige Auftritt auch schon beinahe vorbei: die letzten beiden Nummern – es gibt keine Zugabe – sind „Dream Baby Dream“, eine Hommage an die Elektro-Punks von Suicide und der neue Song „Fuckers“. Zu letzterem, so Jehnny Beth, inspirierte sie ein Freund, der ihr nach einem langen Gespräch den Sinnspruch „Don’t let the fuckers get you down“ auf ihrem Kühlschrank hinterließ. Und da war es wieder, das Mantra wider die unbarmherzige Natur der Welt.

Setlist       

        1. „I Need Something New“
        2. „Strife“
        3. „Shut Up“
        4. „I Am Here“
        5. „City’s Full“
        6. „Flying to Berlin“
        7. „Waiting for a Sign“
        8. „She Will“
        9. „No Face“
        10. „Hit Me“
        11. „Husbands“
        12. „Dream Baby Dream“ (Suicide-Cover)
        13. „Fuckers“


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