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So war’s bei den Beatsteaks in der Berliner Wuhlheide am 4. Juli 2015

Es gab da mal diesen Song von Die Ärzte. „Wie kannst Du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?“, fragte Farin Urlaub in „Unrockbar“ sein lyrisches Gegenüber. Das war 2003, die Beatsteaks noch die Berliner Punkrockband, die jeder gut fand, der sie kannte – ein damals, ein Jahr vor der Veröffentlichung ihrer vierten Platte SMACK SMASH noch überschaubarer Kreis. Heute, zwölf Jahre später, muss Farin Urlaub keine Missionarsarbeit mehr leisten. Die Beatsteaks feiern ihr 20-jähriges Bandjubiläum mit zwei Konzerten in der Berliner Kindlbühne Wuhlheide, und spätestens danach möchte man meinen, dass sie Die Ärzte als beliebteste Berliner Band überholt haben. Auch wenn es nun Sänger Arnim Teutoburg-Weiß war, der kurz ruhig sitzen blieb.

Rund anderthalb Wochen vor den lange ausverkauften Jubiläumsshows zog sich Teutoburg-Weiß einen Bänderriss zu. Beim Kosmonaut Festival trat er trotzdem auf, und am Samstagabend (4. Juli 2015), dem zweiten Wuhlheide-Konzert in zwei Tagen, entert der nimmermüde Frontmann mit Gehstock die Bühne. Kurz nimmt er Platz auf einem Hocker, genießt den Blick auf 18.000 Zuschauer und dürfte spätestens jetzt ahnen, dass er selbst nicht viel länger ruhig sitzen bleiben könnte. So legten die Beatsteaks mit „Summer“ vom 2002er LIVING TARGETS los, beenden ihr Hauptset anderthalb Stunden später mit „Let Me In“ vom gleichen Album und reißen dazwischen und in den Zugaben danach die Wuhlheide dermaßen ab, dass im Publikum noch ein paar weitere Bänder in Mitleidenschaft gezogen werden dürften.

Zwischen alten Songs („Shiny Shoes“), veritablen Singles („Jane Became Insane“, „Milk & Honey“, „Automatic“) und den obligatorischen Covern („Beast Of A Burden“ von den Rolling Stones, „Frieda und die Bomben“ von Fu Manchu, „Sabotage“ von den Beastie Boys – „unseren Beatles“, so Teutoburg-Weiß, sowie „Hey Du“ aus dem Linie-1-Musical) bleibt genug Platz für die arschcoolen Hits aus ihrer LIMBO MESSIAH-Phase: „Demons Galore“, „Meantime“, „Cut Off The Top“ und so weiter. Im Publikum entfachen sich bengalische Feuer und Circle Pits, und immer dann, wenn der angeschlagene Performer Teutoburg-Weiß doch mal eine Verschnaufpause braucht, findet er warme Worte für seine Band („Das hier waren, sind und bleiben die Beatsteaks, so werden wir begraben“), sein Management oder das Publikum („Danke fürs immer immer Wiederkommen!“). Ein DJ, ein Trompeter, ein „Gentleman Of The Year“-Tänzer und ein Surfbrett (Teutoburg-Weiß: „Ich weiß, ich bin erwachsen, aber das ist ein Surfboard!“) fungieren als Special Guests, und einzig dort wäre schon noch mehr gegangen: 20 Jahre Beatsteaks – da hätten ruhig mal Farin und Bela „Danke“ sagen kommen dürfen! „Zu spät“ stimmen die Beatsteaks trotzdem ein. Ihre höfliche Art, selber „Danke“ zu sagen. An einem Abend, den sie nach über zwei Stunden am bis dahin wohl heißesten Tag des Jahres mit einer Botschaft beenden: „Gibt et eigentlich ne Message bei den Beatsteaks?“, fragt Teutoburg-Weiß Band und Publikum rhetorisch, um die Antwort gleich selbst zu liefern: „Wenn es eine Message gibt, dann die hier: … and I don’t care as long as you sing!“

Beatsteaks live am 4. Juli 2015 in der Berliner Wuhlheide – die Tracklist:

„Summer“

„Jane Became Insane“

„Cheap Comments“

„Shiny Shoes“

„Milk & Honey“

„DNA“

„Meantime“

„Demons Galore“

„Everything Went Black“

„Cut Off The Top“

„Automatic“

„Beast Of A Burden“ (Rolling Stones)

„Frieda und die Bomben“ (Fu Manchu)

„SaySaySay“

„Soothe Me“

„Hail To The Freaks“

„Gentleman of the Year“

„Let Me In“

Zugabe 1:

„Hand In Hand“

„Hey Du“ (“Linie 1“-Musical, „die inoffizielle Berlin-Hymne“)

„Sabotage“ (Beastie Boys)

Zugabe 2:

„Hello Joe“

„I Don’t Care As Long As You Sing“


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